Montag, 25. August 2008

Schön, wenn der Schmerz nachlässt

Und? Seid ihr auch alle schön brav in Leipzsch gewesen, nö?

Wie, nicht? Dann aber nächstes Jahr! Oder doch lieber Kölle alaaf?

Nein? Dann sich wenigstens in Foren in bester Ossi-Wessi-Manier die Köpfe eingeschlagen? *kreisch* THIS IS LEIPZIG!! *brüll* For KÖLN!!!

Auch nicht? Aber, aber ... so ne tolle Spielemesse!! Mit ganz doll internationalem Flair. Oder auch nicht. Je nachdem, welcher große Publisher, Hardware-Hersteller, Game-Designer und Konsolenanbieter gerade Lust hat präsent zu sein oder nicht. MS war zB. in Leipzig nur mit einem kleineren Stand vertreten, es gab keine eigene Pressekonferenz, auf der normalerweise janz dolle Spiele vorgestellt werden. Nintendo meinte dankend abzulehnen und tingelt dieses Jahr mit dem Playmobil durch Deutschlands Städte. Sogar Peter Molyneux hatte kurzfristig abgesagt, was auch zu einer kleinen Premiere führt: Zum ersten Mal nach so einer Messe habe ich keine Gelegenheit, Peters wohlfeile Ankündigungen und hochheiligen Versprechungen lachend und feixend in kleine Fetzen zu reissen. Mir fehlt jetzt etwas. Doch, wirklich, ich hatte mich schon so darauf gefreut :)

Äh, auf was wollte ich eigentlich hinaus... *grübel* ... ach ja, Spielemesse!

Spielemesse, Spielemesse, Spielemesse. Ich wollte früher ums Verrecken immer mit der Firma auf die Cebit. War dann auf beruflich auf etlichen anderen Messen, dann endlich auch auf der Cebit. Wobei zu diesem Zeitpunkt das große BoahhEy längst verflogen war. Messe. Rumstehen, rumreden, rumstehen, noch mehr rumreden. Abends Rum trinken. Morgens rumkugeln, weil man nicht vernünftig aus dem Bett kommt. Wieder rumstehen und rumreden.

Es hat schon seinen Grund, warum nur wenige Stunden vor Ende einer Messe bereits die ersten Stände abgebaut werden und das Standpersonal bei der Frage nach Schlüsselanhängern Dir mit ihren Blicken nur noch bitterböse Löcher in den Rücken brennen kann, während Du mit leeren Händen abziehst. Es hat aber auch seinen Grund, wenn Dir wildfremde Menschen plötzlich irgendwelchen Krempel in die Hände drücken, nur damit nicht SIE das Zeug wieder nach Hause schleifen müssen, sondern Du. Es hat schon seinen Grund, dass eine Messehalle nur Minuten nach dem offiziellen Schluss der Veranstaltung wirkt wie ein Schlachtfeld am Ende eines erbitterten und verbissen geführten Kampfes. Wer noch Laufen kann, rennt mit letzter Kraft zum Parkplatz. Manche schleifen noch Verletzte mit. Andere lassen ihre Verletzten zurück, ganz erfüllt mit dem Gedanken an Flucht.

Messe!

Wer noch nie auf einer Industrie-Messe war, der soll das mal tun. Ist eine recht interessante Erfahrung. Wer noch nie auf einer Messe mit öffentlichem Publikumstag war, der sollte dies auch mal tun. Wer dann noch Bock auf mehr hat, der kann dies gerne auch ein zweites oder drittes Mal machen. Je öfter man sich sowas gibt, desto schneller nimmt man aber Abstand. Privat sowieso und beruflich sucht man Gründe, um sich zu drücken. Intern werden Deals mit jungen, unverbrauchten Angestellten geschlossen, damit man jemand an eigener Statt zur Messe schicken kann. "Da, geh Du!" "Ohhhh, dankeeeee!" "Bittebitte, nix zu danken! ... armer Trottel ...".

Würde es eine Spielemesse in meiner Nähe geben, ich wäre früher (!) in Nullkommanix hingefahren und hätte mich mit Begeisterung für teuer Geld in lange Warteschlangen und überdrehte Menschentrauben gestürzt. Heute jedoch, heute würde ich nicht einmal mit der Augenbraue zucken, wenn zB. die Games Convention nur ca. 300 m Luftlinie von meiner Wohnung entfernt, im Karlsuher Kongreßzentrum stattfinden würde.

Ich bin sozusagen raus! Harzzach, Sie sind raus!

Weder habe ich mittlerweile Lust auf überhitzte, vor Schweiß triefende Multikörper-Raupen, noch habe ich Lust für teuer Geld Eintritt zu bezahlen, nur um mir Spiele anschauen zu können, die es zT. nur wenige Monate später bereits im Handel gibt oder deren Intro- und Gameplay-Videos es zeitgleich auch millionenfach in der Berichterstattung auf Millionen von Online-Portalen gibt. Nein, ich habe auch keinen Bock auf Autogramme von Richard Garriot oder einen Live-Auftritt von Shigeru Miyamoto. Die Zeiten der Personenkulte sind vorbei. Game-Designer sind auch nur Menschen. Zwar würde ich mich liebend gerne mit Richard Garriot oder noch lieber mit Warren Spector oder Brian Reynolds unterhalten, so richtig (!) unterhalten, aber sollte ich diesen Leuten in Fleisch und Blut begegnen, würde mehr als ein hastig hingekritzeltes Autogramm wohl nicht herausspringen. Selbst ein Interview wäre nicht mehr als das übliche Austauschen der üblichen Fragen und Antwortblasen.

Was soll ich also auf diesen Krakeelveranstaltungen?