Montag, 26. März 2007

The Pro and Con of MMOGs

Als letzte Woche EA eine Pressemitteilung über die neue Webseite des kommenden Ultima Online Addons "Kingdom Reborn" durch die Weltgeschichte schob, wurde ich plötzlich von einer Reihe intensiver Dejavus und Erinnerungen an vergangene Zeiten heimgesucht. Ich sah die Screenshots des sehr hübschen und runderneuerten UO-Clients und wollte spontan sofort wieder loslegen.

Bis mir einfiel, warum ich diesem Genre letztes Jahr endgültig Adieu gesagt habe und auf absehbare Zeit auch nie wieder ein MMOG anfassen werde. Was dann dazu führte, dass ich mir Gedanken darüber gemacht habe, was mir einst an MMOGs gefallen hat, warum ich von UO so begeistert war und dass dieser Beitrag vor sechs, sieben Jahren noch weitaus positiver und euphorischer ausgefallen wäre ;)

Als Ultima Online vor zehn Jahren erschien, hatte mich das noch ziemlich kalt gelassen. Wobei "kalt gelassen" noch eine deutliche Untertreibung ist. Ich war fast der einzige Mensch im Studiengang, der mangels Interesse keinen Nutzen von der Mail-Adresse machte, die man vom Rechenzentrum zur Verfügung gestellt bekam. Auf Argumente wie ...

"Aber ... so kannst Du doch mit X oder Y mailen, während sie am anderen Ende der Welt gerade ihr Praxis-Semester machen! Und Z würde sich auch bestimmt freuen von Dir zu hören!", pflegte ich stets zu antworten mit ...

"Na und? Nächstes Semester sind sie wieder alle hier und wir können dann wieder zusammen etliche Kräusen heben. Und mit Z läuft nichts mehr. Was soll ich also mit Mails?"

"Aber, aber ... willst Du denn gar nicht wissen, wie es ihnen da unten geht?"

"Erstens: Ich bin nicht ihre Mutter. Und zweitens ist mir nicht bekannt, dass dort gerade ein Krieg tobt. Die werden sich schon zu helfen wissen und wenn sie zurückkommen eine Menge zu erzählen haben. Wozu Mail?"

Ja, ich war damals dermaßen offline, weil ich in dieser Instant-Kommunikation überhaupt keinen Nutzen gesehen habe. Warum mailen? Nur, weil es jetzt plötzlich jeder macht? Demenstprechend war ich natürlich auch unbeleckt von Mailboxen, von Fido, vom Usenet, von allem, was "Online" im Namen trug.

Bis zu dem Tag, an dem ich im Rahmen einer Studienarbeit meine erste HTML-Seite zusammengepriemelt hatte und rein zufällig auch nur wenige Wochen später einen Studi-Job in einer der frühen, aufstrebenden Internet-Hinterhof-Firmen bekam. Dann machte alles plötzlich Sinn. Mails waren plötzlich nur noch praktisch (nein, von Z habe ich mich dann doch besser ferngehalten) und anstatt vernünftig zu arbeiten, habe ich lieber alle möglichen Webseiten nach Infoschnipseln über dieses und jenes durchstöbert. Und natürlich nach PrOn geschaut ;)

Ruckzuck wurde dann auch das erste Modem gekauft, der Einfachheit halber (keine Lust zu warten, bis der lokale Provider den Antrag bearbeitet hatte) eine von diesen drei Zilliarden AOL-CDs ins Laufwerk geschoben und keine 10 Minuten später bekam ich auch zum ersten Mal "Sie haben Post" zu hören. Ja, natürlich Spam, was denn sonst ...

Und erst dann habe ich mein Augenmerk auf UO gerichtet. Praktischerweise wurde das gerade erschienene Ultima 9 in einer dicken Sammelbox zusammen mit Ultima Online verkauft, so dass meine immer recht große Skepsis (Wie soll ein Rollenspiel mit richtigen Mitspielern im Internet funktionieren? Sitzt da einer den ganzen Tag rum und macht den Gamemaster oder wie?) recht schnell verflog.

Die Telefonrechung stieg in den nächsten Monaten in schier unermeßliche Höhen, umgekehrt proportional zur Zeit, die ich mit Schlafen verbrachte. Wie ich es in dieser Zeit dennoch schaffte, jeden Morgen pünktlich im Job zu erscheinen und eine halbswegs taugliche Arbeit abzuliefern, ist mir heute immer noch ein Rätsel. Doch nach bereits einem halben Jahr war auch wieder Schluss. Nicht unbedingt, weil mein Körper zusammengebrochen ist, sondern weil ich meinen damaligen recht kümmerlichen Lohn nicht komplett in die Telefonrechnung stecken konnte und wollte. Denn von solchen Dingen wie Flatrate hatte man hier in Deutschland logischerweise noch nichts gehört, zählte es doch zu ersten Pflichten eines jeden Bürgers das ehem. Staatsunternehmen Telekom mit monatlichen hohen Abgaben vor dem drohenden Sturz in die Insolvenz zu bewahren.

Bis dann doch wieder die Sucht mit Anarchy Online zuschlug. Und Star Wars Galaxies sein drohend Haupt am Horizont erhob, usw. usf.

Und bis ich Mitte letzten Jahres auch meine letzte Aktivität in diesem Genre mit dem Löschen meines HighLevel-Accounts bei Freewar, einem kleinen, netten Browser-MMORPG beendete.

Aus, vorbei, nie mehr!

Ich werde demnächst in eigenen Beiträgen etwas zu den Dingen schreiben, die mir im Grunde immer noch an MMOGs gefallen. Und etwas zu den Dingen, die mich dann schlussendlich dazu bewogen haben, dieses Genre für mich persönlich in den Keller zu stellen, die Tür abzuschliessen und den Schlüssel wegzuwerfen. Man liest sich ...