Freitag, 22. Juni 2007

Retro-Impressionen: P.O.D

Erinnert sich hier noch jemand an die Intel-Werbung für die ersten Pentium-MMX-Prozessoren? Dieses quietschebunte Intel-Mobil, aus dem in quietschebunte Gummianzüge gehüllte Leute sprangen, die überall das neue Zeitalter von RICHTIGEM (!) Multimedia verkündet haben?

Ich habe diese Spots damals gesehen und war plötzlich ein wenig neidisch. Nein, nicht wegen den Spots. Sondern weil ich nur so einen doofen P133 hatte, ohne MMX und so. Total lahmarschige Kiste! Denn pünktlich zum Verkaufsstart dieser neuen Pentium-Prozessoren wurde auch POD massiv gehyped. "Planet of Death"! Ein Arcade-Racer, der explizit Gebrauch von all diesem neuen MMX-Gezumsel machte und daher natürlich viel besser als jeder Arcade-Racer war, der bis dahin Harzzachs Spielebewusstsein ausfüllte. Ja, damals! Als nahezu jeder Monat neue bahnbrechende Graphik-Verbesserungen hervorbrachte und man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kam. Und man selbst natürlich noch jeden Marketingspruch für voll genommen hatte, der einem über den Weg lief ...

Doch irgendwann war es soweit. Ein brandneuer Pentium 2, inklusive MMX und einer Voodoo 2 harrten der Inbetriebnahme. In den kurzen Pausen, die ich mir während des Spielens von Unreal gab, war dann endlich POD angesagt. POD! Ein Name, ein Spiel, welches auch heute noch diverse Schauer über meinen Rücken laufen lässt. Ja, angenehme Schauer! :) Bereits vom Bleifuss-Virus angesteckt, so hatte sich Klein-Harzzach nach kurzem Testen vorhandener Rennspiel-Genres schnell für den Arcade-Racer im Gegensatz zu Renn-Simulationen à la Geoff Crammonds World Circuit entschieden. Ergo war POD ein nicht zu vermeidendes Pflichtspiel.

POD! Der erste Arcade-Racer, bei dem es 1. eine Hintergrundgeschichte gab (Blabla tödliche Pflanzenmutationen, Blabla Planet muss evakuiert werden, Blabla nur noch ein letztes Schiff über, Blabla der schnellste Fahrer erreicht es zuerst), die auch 2. tatsächlich funktioniert hat.

Angesiedelt auf einem futuristischen Planeten in einer nicht näher bestimmten Zukunft, brettere ich mit entsprechend futuristischen Fahrzeugen über futuristische Strecken, die sich durch abgefahrenes, futuristisches Design auszeichneten. POD bot eine unglaubliche Graphik, die durch die damals frisch aufkommenden 3DFX-Karten nochmals aufgewertet wurde. Farbenprächtig, wilde Formen, der Phantasie freien Lauf lassend. So wachte ich also eines Morgens in einem der durch die Evakuierung verwüsteten und leerstehenden Megaplexe auf, schmiss meinen treuen Wagen an und startete das Rennen, an dessen Ende mein Überleben stand.




An POD stimmte alles. Natürlich zuallererst die Graphik. 3DFX war seinerzeit DER Blockbuster im PC-Bereich. So richtig schnelle 3D-Graphik! Ohne Pixel!! Dann auch der Sound, die Motoren, das Krachen des Wagens in Streckenbegrenzung und andere Rennteilnehmer. Die Musik, welche schwer Techno-angehaucht aus den Boxen drang. Die Strecken und Fahrzeuge selbst. Nicht von dieser Welt und nichts ähnelnd, was jetzt und heute auf unseren Strassen herumfährt. Dazu ein erstklassiges Fahrmodell und eine Steuerung, die einfach zu begreifen, aber nur schwer zu meistern war. Nachschub gab es bereits etwa ein halbes Jahr später mit dem Addon "Back to Hell", in dem das kostenlos im Internet veröffentlichte Extra-Pack mit noch mehr Strecken und Fahrzeugen den Retail-Handel erreichte.

Die "offiziellen" Strecken waren mir sehr schnell zu simpel. Ich bretterte von Sieg zu Sieg, ließ jedes Mal die Verlierer auf dem mutierten Planet zurück und kam mir dabei etwas schäbig vor. Denn die armen Schweine hatten ja keine Chance gegen mich. Abhilfe schuf hier das Extra-Pack, respektive das Addon. Meine Fresse ... irgendwann sagte ich mir: "Hätte ich mich doch bloß nicht beschwert!". Da war es durchaus normal, dass man pro Runde ca. eine halbe Stunde gebraucht hat. Nein, nicht weil die Strecken so lang waren. Ja, weil die Strecken so höllisch kompliziert und regelrecht fies waren. Vor allem mit "Pipeline" und "Road70" verbindet mich eine gewisse Hassliebe, da es mir nie gelungen ist, bei diesen Strecken zumindest auf dem Treppchen zu landen. Dann gab es aber auch "Skyrace". Eine extreme Hochgeschwindigkeitstrecke, bei deren Befahren man durchaus Gleichgewichtsprobleme im Mittelohr bekommen hatte. Erst ca. fünf Jahre später, mit NfS Underground habe ich einen ähnlichen Geschwindigkeitsrausch erleben können.

POD! Der helle Wahn!




Und damit man heute auf heutigen Rechnern mit heutigen Betriebssystemen dieses Spiel sorgenfrei in Betrieb nehmen kann, empfehle ich DRINGENST den Besuch von Holger Bredels "POD-Frickellanleitung". Und wer eines Tages über POD stolpert (oder es noch im Schrank findet), das Addon aber nicht mehr bekommt und auf Ubisofts FTP-Server kein Extra-Pack mehr herunterladen kann, der soll bei PODPhreak vorbeischauen. Dort gibt es neben den charakteristischen Interface-Sounds alle zusätzlichen Fahrzeuge, Strecken und Patches, die man als POD-Fanatiker eben so braucht.

POD! Vroom, vroom!