Mittwoch, 26. September 2007

PC-Gaming ist tot!

Da!

Jetzt habe ich es selber gesagt!

Obwohl ich diesen Satz ja nur ungerne in den Mund nehmen wollte. Weil es so direkt und krass auch nicht stimmt. Dennoch ... was eigentlich zuerst als Kommentar noch zum gestrigen Post gedacht war, uferte sehr schnell in einen doch etwas umfangreicheren Rant aus. All das andauernde Magengrimmen, all mein Desinteresse gegenüber fast allen aktuellen PC-Spielen, all meine zunehmende Verweigerung gegenüber einem Verhalten, welches für mich früher vollkommen normal und akzeptabel war.

"Hardware aufrüsten"! ©

Klingt toll, oder? Das Aufritschen der Plastikfolie des Kartons. Das Quietschen der Styroporschalen, wenn man sie aus dem Karton zieht/schiebt. Der Geruch nach "frischer" Elektronik, nach Plastikkabeln und Metall. Das nervöse Kribbeln, wenn man vielleicht zum ersten Mal ohne fremde Hilfe eine neue Graphikkarte einbaut. Die Ungeduld beim Installieren der neuen Treiber und des Rechner-Reboots. Jetzt mach, jetzt mach! Will loslegen, will loslegen! Und dann ... das Auswählen eines bestimmten Verzeichnisses, der Doppelklick entweder auf Icon oder (damals) den Auswahlbalken eines Norton Commanders. Das kurze Innehalten von Atmen und Denken. Und dann ... WOW!!!!

Wing Commander läuft!
Der neue 3DMark läuft!
Quake 2 mit gefilterten Texturen UND FARBIGEM LICHT!!!! *kreisch*

Dafür, für dieses fast schon orgiastische Gefühl des Triumphes, des "Kleinen Todes" für Nerds und Hardcore-Zocker, dafür hat es sich rentiert, dass man im nächsten Monat eben Mensafrass in sich reinschaufeln musste oder hoffte, dass der Vermieter nicht merkt, dass man diesen Monat "etwas" weniger überwiesen hat, bzw. mit ihm einen Deal ausgehandelt hat, ohne zu wissen wie man die doppelte Miete übernächsten Monat bezahlen sollte.

"Hardware aufrüsten"! © Das war (fast) besser als Sex. Das war (fast) besser als Alkohol oder jede andere Droge, die man so nahm. "Hardware aufrüsten"! © hat süchtig gemacht.

Aber "Hardware-Aufrüsten" im Vierteljahrestakt und ohne Rücksicht auf Verluste ist nur etwas für sehr wohlhabende Leute oder junge Leute, die jeden verfügbaren Cent in die Kiste stecken können. Ich war ja früher nicht anders. Mittlerweile gibt es aber soviele Dinge und Notwendigkeiten im Leben, die entsprechend finanzieller Aufmerksamkeit bedürfen, dass eine Konsole mit ihrer festen Hardware-Umgebung immer attraktiver erscheint. Ich kann FF 12 heute klaglos auf einer PS2 spielen, die ich vor sechs Jahren für FF 10 gekauft habe. Während alleine die Vorstellung, ein aktuelles PC-Spiel wie zB. C&C3 auf einem PC aus dem Jahre 2001 zum Laufen zu bringen, allenfalls schallendes Gelächter auslöst. Von so Kinderkram wie restriktiven Kopierschutz-Systemen (Hallo, Du Scheissdrecks-Kopierschutz! Da LIEGT eine Original-CD im Laufwerk, Du dummes Arschloch!), Treibergefummel und einer Releasequalität, die sich oftmals von fauligen Tomaten beim Lidl kaum unterscheidet, gar nicht mal zu reden. Die Faxen dicke ...

Wird es seitens der Publisher oder Entwickler ein Umdenken geben? Wird man in der offiziellen Spielepresse den Terminus "grau-brauner Pixelbrei!" für Spiele aus dem letzten Jahr endlich aus dem Wortschatz nehmen und mit diesem gräßlichen Gehype aufhören?

Nein. Natürlich nicht. Das Pferd "Hardware-Rüstungsspirale" wird solange geritten, solange es genügend willige Reiter gibt, die das letzte Hemd verkaufen, nur um einen mittlerweile leicht müffelnden Kadaver besteigen zu dürfen.

Können mich alle mal kreuzweise! PC-Gaming ist tot!

Zumindest für mich so langsam ...