Montag, 23. Juni 2008

Steam-Killer?

Obwohl es der Name vermuten lässt, so ist "Impulse" nicht der Name für ein neues Herren-Düftchen aus dem Hause HachHuchEiteitei, sondern der vielsagende Name für Stardocks lange angekündigte und nun seit einigen Tagen auf online seiende Distributionsplattform. Denn impulsiv und spontan soll man hier einkaufen und sein Konto plündern.

In der Hoffnung, danach nicht die Reue zu verspüren, die so manch Impulskauf in der Vergangenheit hervorgerufen hat, habe ich mir Client und Portal zur Brust genommen. Und natürlich auch mit Steam, dem großen Konkurrenten (und Vorbild?) verglichen.

Die Bedienung ist simpel und selbsterklärend, die Registrierung ein No-Brainer. Der Clientstart geht im Gegensatz zu Steam deutlich flotter voran. Ob dies daran liegt, dass noch kaum jemand auf Impulse zugreift, Impulse besser programmiert ist oder man einfach eine dickere Leitung als Valve hat, kann ich nicht beurteilen. Es geht einfach nur sehr viel schneller, bis ich an die Inhalte komme. Schaue ich jedoch hin und wieder bei Steam rein (unterschiedliche Tageszeit und Wochentag) nerven mich immer diese unsäglichen Valve-Gedächtnissekunden, bis der Client endlich meine Einwahldaten akzeptiert hat. Da möchte man Steam wirklich Dampf machen! Doch Impulse ... flutsch, alles da, los, einkaufen!



Ich kann den Client auch an meine Wünsche anpassen, kann zusätzliche Tabs einrichten, es gibt die üblichen Community- und Foren-Feature. Bereits installierte Titel können (falls von Stardock bereits gekauft) in Impulse registriert werden oder man zieht einfach das Startsymbol in den Client, wo eine Verlinkung auf dieses "Drittspiel" angelegt wird. Unterscheidet sich hier also nicht sonderlich von Steam.

Sehr erfreulich für mich als fortschrittsfeindlichen Deutschen ist natürlich das Vorhandensein von Paypal als Bezahlweg. Das war zwar schon beim Vorgänger von Impulse, dem TotalGamingNetwork so, ich möchte es aber dennoch nochmals extra erwähnen. Denn Steam-Kunde bin ich auch erst dann geworden, als man nach gefühlten Jahrtausenden ENDLICH auch Paypal für all die kreditkartenlosen Looser aus Europa angeboten hat.

Als Test wähle ich mir "The Chosen" aus. Ein netter, kleiner RPC-Actiontitel, den ich schon lange im Auge hatte und mit einem Kauf segnen wollte. Titel ausgewählt, in den Warenkorb gelegt, mit Paypal als Zahlungsmethode den Checkout vollführt. An dieser Stelle wurden aber die Testbedingungen etwas verfälscht. Im Hintergrund lief gerade ein Client-Update, welches mich zu einem Neustart aufforderte, damit Änderungen in meinem Impulse-Konto registriert werden können. Ob es daran lag, dass ich mein eben gekauftes Spiel händisch registrieren musste, damit ich es über Client herunterladen konnte, anstatt dass es automatisch in die Liste meiner Spiele eingetragen wird?



Ok, lasse ich eben den Client neustarten und trage danach die Registreirungs-Daten aus der Kaufbestätigungs-Mail ein. Ich starte den Download und Impulse lässt mich ein beliebiges Verzeichnis auf meinem Rechner auswählen, anstatt es ungefragt irgendwo in den Untiefen des Programmverzeichnisses zu verstecken (Steam, Gametap).

Die Downloadgeschwindigkeit ist aber nicht so dolle, um es höflich auszudrücken. Zugegeben, noch vor wenigen Jahren wäre ein Download-Stream von ca. 300-500 KB/s ein unerfüllbarer Traum gewesen, aber Steam reizt eben die gesamte verfügbare Bandbreite aus, die auf Clientseite zur Verfügung stehen. Ob sich dies noch ändern wird, ob dies nur temporär am Anfang so ist bis die Server-Kapazitäten ausgebaut werden, weiß ich nicht. Doch jedweder Zeitgewinn durch den flüssigen Clientstart wird hier x-fach wieder aufgefressen. Das MUSS schneller gehen. The Chosen hat gottlob nur etwa 430 MB Umfang, doch die Vorstellung ein "größeres" Spiel zu kaufen und dann etliche Stunden zu warten, bis endlich alle Daten auf den Rechner tröpfeln ... nää, das kann man so nicht machen.

Doch endlich geschafft. Die Spieldaten werden entpackt und installiert, ich kann nach Wunsch ein Desktop-Icon anlegen. Was ich auch mache, da mein vorher gewähltes Zielverzeichnis nämlich leer ist und ich gerne wissen möchte, wo denn die Spieldaten gelandet sind. Ahh, das Standardverzeichnis, wie es im Client festgelegt werden kann. "Programme/Spieleordner". Hmmm ... dann wiederholen wir das aber nochmal, vielleicht habe ich vorhin etwas falsch gemacht. Ich de-installiere das Spiel über den Client. Es bleibt jedoch ein Null-Byte-File auf dem Desktop übrig, das Icon wurde nicht vollständig de-installiert, die Spieledaten jedoch schon. Schönheitsfehler!

Beim zweiten Download (ich schreibe hier übrigens on the fly, parallel zum Geschehen), als hätte man mein Rumgeflenne vernommen, sausen die Daten mit ca. 1,5 MB/s durch die Leitung. Na also, geht doch :)



Es wird auch beim zweiten Mal das Standardprogrammverzeichnis ausgewählt, das individuelle Installieren klappt nicht. Immerhin kann ich das Standardverzeichnis getrennt für Programme und Spiele einstellen, so dass dieser Schönheitsfehler umgangen werden kann.



Es werden aber immerhin die originalen Spieldaten installiert, anstatt wie bei Gametap sie zu verschlüsseln, so dass man händisch Änderungen an Config-Files oder Spieldaten vornehmen kann, wenn man das möchte. Gametap-Spiele wie zB. Deus Ex lassen sich daher nicht modden und nicht anpassen.

Kommen wir nun jedoch zum Knackpunkt von Impulse. Dem Feature, in welchem sich Impulse ganz grundlegendend von Steam, Direct2Drive, Gamesload und anderen Plattformen unterscheidet. Kein DRM! Keine Aktivierung der gekauften Software. Ein richtiger Kauf (!) und keine verkappte, getarnte Miete.

- Ich schliesse also die Internet-Verbindung vor dem ersten Spielstart. Das Spiel startet.
- Ich de-installiere Impulse. Das Spiel startet.
- Ich schiebe das Spielverzeichnis auf eine andere Festplatte. Das Spiel startet.
- Ich schiebe das Spielverzeichnis auf einen anderen Rechner. Das Spiel startet.
- Ich archiviere das Spiel ... halt, ich will ein Backup über die "Archive Application"-Funktion anlegen, wobei sich aber nichts tut. Ein Bug? Ein Bug! Ich kann aber den Installationsordner irgendwo hinschieben, packen, brennen, whatever ... das Spiel startet auch so.

Bis auf ein paar Kleinigkeiten und fehlende Komfort-Features (das Handling der gekauften Programme im "My Games"-Tab könnte deutlich besser sein) erfüllt Impulse die Versprechungen. Es ist nichts weiter als eine Einkaufsplattform für Programme, der Client ist nichts weiter als ein nettes Tool, mit dem man die gekauften Programme bequem aktuell halten und sich diversen Community-Dingen erfreuen kann. Ich brauche den Impulse-Client nur zum Downloaden der Spieldaten, der Kauf selbst kann auch über die Impulse-Webseite erfolgen. Wie ein Laden, in dem man geht, eine Verpackung aus dem Regal nimmt, an der Kasse bezahlt und man danach nie wieder etwas mit dem Geschäft zu tun haben muss. Das dort gekaufte Programm gehört mir ganz alleine und ich kann das Programm auch noch in tausend Jahren starten, wenn Stardock und Impulse längst Geschichte sind. No fuckin DRM! Was ich bezahle, gehört mir auch!

Ist "Impulse" nun ein Steam-Killer? Nun, bezüglich DRM auf jeden Fall! An Komfort-Funktionen muss man aber noch zulegen und natürlich auch am Software-Angebot. Vor allem in diesem Bereich hat Steam immer noch kilometerweit die Nase vorn.

Zwa kann ich kann in den Impulse-AGBs keinen Passus finden, der mir in der Theorie das Weiterverkaufen verbieten will, aber was mich bei beiden Plattformen noch stört, sind die Umwege, die man gehen muss, um das gekaufte Programm wieder zu veräussern. Wie bei Steam, so sollte man idealerweise für jeden Kauf einen eigenen Account mit eigener Mail-Adresse (idealerweise ein 08/15-Account bei einem Webmailer) anlegen. So kann man einzelne Titel wieder verscherbeln und muss weder alle Spiele in dem Account, noch vertrauliche Daten freigeben. Dies ist auch der Grund, warum ich bislang kaum solche Plattformen genutzt habe und sie auch weiterhin nur marginal nutzen werde. Noch habe ich nicht die vollständige Kontrolle über meine erworbenen Waren.

Impulse legt aber auf jeden Fall einen besseren Start als Steam hin, wirkt auf Anhieb recht ausgereift. Bugs findet man zwar an allen Ecken und Enden, aber das sind eher kosmetische Sachen und Bugs der Klasse B. Grundsätzlich fuktioniert das alles und erzeugt nicht den Eindruck, dass ich als Käufer jetzt Geld für irgendeine Abzocke zum Fenster rausgeworfen habe. Und was nicht ist, wird auf jeden Fall noch werden.

Und? Kann ich "Impulse" empfehlen? Nun, es ist Euer Geld und Eure Entscheidung (und angesichts des derzeitigen Spieleangebotes) auch Euer Geschmack. Ich finde bislang aber nichts gravierend Negatives und spreche daher keine Warnung aus :)

Soll jeder für sich selbst entscheiden ...