Dienstag, 15. September 2009

Prognose

In zehn Jahren spricht kein Mensch mehr von Activison, während Blizzard längst jemand anderem als Aushängeschild dient.

Warum ich das so behaupte und in den Raum stelle? Sollte Bobby Kotick, momentaner Boss von Activision Blizzard, die in diesem Artikel gemachten Äusserungen zur Unternehmenskultur genauso meinen, wie er sie gesagt hat, gehe ich fest davon aus, dass in zehn Jahren Activision entweder nur ein kleiner Publisher unter vielen sein wird, nur als Marke weiterexistieren oder ganz von der Bildoberfläche verschwinden wird.

Und wie komme ich zu diesem Schluss? Weil ich mittlerweile in zwei Firmen die Erfahrung gesammelt habe, dass mit dem Verschwinden einer entspannten und guten Arbeitsatmosphäre, gerade in kreativen Branchen, die Firma selber langfristig kein gutes Produkt mehr auf die Beine stellen wird. Ganz krass habe ich das bei CDV gemerkt, wo tatsächlich genau die Atmosphäre von "Kleingläubigkeit, Schwarzseherei und Angst" herrschte, die Kotick scheinbar allen Ernstes bei sich etablieren möchte. In einer solchen Umgebung KÖNNEN keine Produkte und Spiele entstehen, die Spass machen, die Freude bereiten. Eine solche Umgebung macht krank und wer denkt, dass dies keine Auswirkungen auf Kreativität, Produktivität und Qualität hat, wer denkt, dass man Mitarbeiter wie Maschinen optimieren kann, der mag auf kurze Sicht durchaus auf gewisse Erfolge verweisen können, langfristig schaufelt man sich so aber das eigene unternehmerische Grab, denn Innovation und Ideen, um sich von der Konkurrenz abzusetzen kommen NICHT von Mitläufern, Arschbreitsitzern, Speichelleckern oder "nur" normalen Angestellten, die Punkt Fünfe den Griffel fallen lassen, weil sie lediglich Dienst nach Vorschrift machen.

Aber an langfristigen Unternehmenserfolgen sind die Manager von Heute ja gar nicht mehr interessiert, von daher ...

Der Niedergang Musikindustrie beruhte zu einem großen Teil darauf, dass man auf dem Höhepunkt des CD-Booms fast alle R&D-Abteilungen zusammengestrichen hatte und dachte, man könne den Boom mit am Fließband produzierten Castingsbands am Leben erhalten. Eine Weile hat das noch funktioniert, doch irgendwann war das Ende der Fahnenstange erreicht. Ich prophezeie der Spielebranche EXAKT das gleiche Schicksal, wenn man dort glaubt, Spielspass am Reissbrett passend genau herstellen zu können. Denn Spiele, das sind keine Kühlschränke oder Brötchen. Spiele sind hochemotionale Produkte, die beim Kunden kein Interesse mehr hervorrufen, wenn sie eben diese Emotionen nicht mehr ausstrahlen können. Nicht sofort und nicht von einer Minute auf die andere, aber allmählich werden sich die Leute von den Produkten der Majors abwenden.

Vom Höhepunkt des CD-Booms Anfang/Mitte der 90er bis zum Erreichen des derzeitigen Jammertals sind knapp 10 Jahre für die MI vergangen. Es ist gut möglich, dass vom Ende des derzeitigen Booms bis zur offiziellen Verkündigung der Großen Krise der Spielebranche weniger Jahre verstreichen.