Sonntag, 18. Januar 2009

Seitwärts?

Nach einigen Tagen ausführlichen Tests (man hat ja sonst nix zu tun) habe ich wohl den Grund für die ständigen Bluescreens und Abstürze ausgemacht.

Nicht der Speicher, sondern das (ur)alte NForce2-Motherboard, für welches es seitens NVidia schon lange keine neueren XP-Treiber gibt, für das ich auf selbstgestrickte Custom-Treiber zurückgreifen muss, um unter XP Netzwerk-Funktionen ansprechen zu können. Ein Versuch mit Vista führte sogar dazu, dass die Installation erst dann gelang, als ich einen von zwei RAM-Riegeln entfernte. Kaputt sind diese nicht, nur mag Vista beim Setup gar nicht, was das MoBo damit anstellt. Im laufenden Betrieb scheint Vista hingegen stabiler zu sein, was heisst, ja, ich habe hier aktuell *schauder* Vista laufen.

Angesichts des Umstandes, dass diese Abstürze in den vergangenen Wochen immer häufiger auftraten, muss ich leider annehmen, dass das MoBo so allmählich den Geist aufgibt und ich mein Sammelsurium aus uralter, mittelalter und relativ neuer PC-Hardware wohl besser durch komplett neues Sammelsurium ersetzen sollte, anstatt wieder nur zu flicken und zu frickeln. Bis auch dieses nach ein paar Jahren den Geist aufgibt.

So langsam stimme ich mit den Leuten überein, die unserer modernen Konsumgesellschaft jeglichen Kauf- und Besitzcharakter absprechen, sondern nur noch davon reden, wie wir Konsumenten mit Werbung und Marketing zur neuen Miete neuer Gadgets verleitet werden, die nur ein paar Jahre halten, was wiederum den Erwerb, respektive das Mieten neuer Gadgets erforderlich macht. Denn im Gegensatz zu zB. einem hochwertigen Set von Besteck und Haushaltsgeschirr, welches man über Generationen hinweg vererben kann, sammeln sich in meiner Abstellkammer schon diverse Generationen überholter und veralteter Hardware, nach der nach nur wenigen Jahren aktiven Einsatzes kein Hahn mehr kräht. Von dem Zeugs, welches auf Grund diverser Defekte längst auf dem Schrott gelandet ist, gar nicht zu reden. Man stelle sich nur vor, was für eine Energie- und Ressourcenverschwendung das eigentlich darstellt, in was für einem Irrsinn man hier freudig teilnimmt ... dauerhaft und langfristig ist was anderes!

Doch bevor ich angesichts eines grauen, kalten, verregneten und gräßlichen Sonntagnachmittags gänzlich in deppressive Abgründe falle, im Hintergrund Utada Hikarus "Dareka no Negai ga Kanau Koro" die passende melancholische Stimmung verbreitet, stehe ich doch weiterhin vor dem Problem, dass ich hier im Hause eine funktionierende PC-Hardware benötige, bei der ich mir sicher sein kann, dass sie mir nicht im ungünstigsten Moment die Arbeit der letzten Stunden zunichte macht, denn auch Dauerspeichern kann nicht verhindern, dass bei einem dieser ständigen Abstürze nicht irgendwann Festplattencluster in Mitleidenschaft gezogen werden. Abgesehen von der Notwendigkeit einer einigermassen leistungsfähigen Zock-Plattform *hüstel* :)

Also tun wir so, als hätten wir kein Problem damit, alle paar Jahre Hardware im Wert von 1000 oder mehr Euro aus dem Fenster zu werfen, weil die im Sinne eines endlosen Konsumes vorgeschriebene Produktlebensdauer abgelaufen ist. Tun wir so, als ob ich mir tatsächlich nächsten Monat einen neuen Rechner kaufen würde *zähneknirsch*

Würde es nur darum gehen, für diverse Office- und Recherche-Aufgaben einen PC zu kaufen, respektive zu mieten, würde ich mit 300-400 Euro einfach einen soliden Desktop-PC oder ein 08/15-Notebook erstehen. Höchst bezahlbare, narrensichere Mittelklasse-Technik. Nicht ohne Grund stehen in Haushalten, in denen ein PC nur für solche Dinge eingesetzt wird, oft genug noch Rechner, die für uns Nerds allerhöchstens Verwendung in einem EDV-Museum als Austellungstück finden dürften.

Dummerweise bin ich aber zusätzlich noch ein alter Hardcore-Zocker, dessen Haupthobby immer noch die Beschäftigung mit diesen komischen Videospielen ist, was die kommenden Anschaffungskosten schnell und sehr, sehr leicht in die Höhe treiben wird. Glücklicherweise finde ich aber am aktuellen Spieleangebot Jahr um Jahr immer weniger Interesse, so dass es theoretisch ausreichen würde, in etwa die Gesamtleistung zu ersetzen, die jetzt unter dem Tisch steht. Ganz ehrlich, ich brauche nicht einmal einen Dualcore-Prozessor, ich brauche keine DX10-fähige Graphikkarte. Wofür denn auch?

Wäre da nicht ein kleines Männchen im Ohr, welches mir ständig zwei Dinge einflüstert. Zum einen erwähnt es zwei Spiele, namentlich Starcraft 2 und Diablo 3, welche mit Sicherheit meinen Erwartungen standhalten werden und die gerade ich als SeniorGamer unbedingt haben MUSS! Zum anderen erinnert mich der kleine Mann im Ohr auch daran, dass es wohl nicht angehe, dass ich Geld für neue Hardware ausgebe, die NICHT besser und leistungsfähiger als die Vorgängergeneration ist. Das habe ich noch nie gemacht und ich solle gefälligst auch nicht mit einem derartigen Verhalten anfangen. In Punkto EDV geht es immer aufwärts und nie seitwärts. NIEMALS! Ausserdem, so fügt der kleine Mann im Ohr noch an, so ein paar Frames mehr in "The Witcher" würden auch nicht schaden, oder nicht? Und vielleicht nimmt EA für Dragon Age doch Abschied von ihrer DRM-Politik? Und Du willst doch Dragon Age nicht als Diaschau und nur mit 16-Farben und VGA-Auflösung spielen, oder?

So spricht der kleine Mann im Ohr. Und würde ich ihm nachgeben, so würde ich nächsten Monat einige hundert Euro mehr ausgeben und mir einen dieser schicken neuen Phenom IIs zulegen, so mit adäquater Peripherie und einer Graphikkarte für den Preis eines Gebrauchtwagens. Denn der kleine Mann sagt nicht, ich bräuchte unbedingt einen dieser ultracoolen Intel iCores und eine Systemgesamtleistung, für die ich ein privates Atomkraftwerk im Keller betreiben müsste, ist auch nicht unbedingt notwendig. Der kleine Mann ist noch gnädig.

Hilfe!