Mittwoch, 4. März 2009

Druckverluste

Vor einer Weile hatte eine hochrangige Disney-Managerin auf einer Konferenz eingeräumt, dass "illegale" Angebote wie zB. Tauschbörsen und all dieses Internet-Kroppzeugs jedes legale Angebote in Punkto Service und Geschwindigkeit um Längen schlagen und die Branche endlich aufhören müsse, diese Angebote mit juristischen Mitteln zu bekämpfen. Zum einen, weil dies nichts bringe und zum anderen, weil man die potentielle Kundschaft nicht mit Zwang zum Kauf animiert, sondern NUR mit besseren Angeboten. Man müsse beginnen, in Tauschbörsen geschäftliche Konkurrenten zu sehen, die man nur mit besseren Angeboten schlagen kann.

Steam kann man zum Beispiel als einen gelungenen Versuch bezeichnen, den Kunden mit Service und attraktiven Zusatzfeatures zu binden und ihm freiwillig und in rauhen Mengen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Nach der Zwangs-Euroisierung der Steam-Preise trifft dies zwar nur noch für US-Bürger zu, dennoch hat sich Steam trotz seiner Fehler einen festen Platz im Herzen nicht weniger Leute erkämpft.

Heute jedoch, heute macht Steam so einiges kaputt, was es in den letzten Jahren an Sympathien aufgebaut hat. Denn seit wenigen Stunden ist "Empire: Total War" erhältlich und die Steam-Server geraten nach vielen User-Aussagen derart unter Druck, dass ein Download entweder gar nicht oder nur mit Prä-DSL-typischen Bandbreiten möglich ist, da man aus nicht näher bekannten Gründen auf einen Preload verzichtet hatte und nun ALLE Käufer gleichzeitig die Leitungen verstopfen. Selbst ich als Nicht-Käufer leide unter diesem Ansturm, bricht die Verbindung doch ständig ab und der Download eines kleinen Spieles wie zB. Audiosurf gerät in diesen Minuten zum Geduldsspiel.

Derweil NATÜRLICH zeitgleich zum Release Kopien frei im Netz verfügbar sind, mit der maximalen Download-Geschwindigkeit, die ein gut gefüllter Bittorent-Schwarm ermöglicht. Man muss nicht einmal einen Steam-Account anlegen, sondern überschreibt bequemerweise nur einige Daten.

Ich frage mich daher, warum setzt Steam immer noch nicht auf Bittorrent-Technologie, um solche Spitzen abzufangen, sondern verlässt sich auf ein nicht gerade billiges Netzwerk weltweit verstreuter Download-Server? Ich frage mich, wann Anbieter endlich begreifen, dass man MEHR Umsatz machen kann, wenn man dem Kunden soweit wie nur irgendwie möglich entgegenkommt, anstatt weiterhin darauf zu vertrauen, dass der Kunden schon angekrochen kommt und jeden Müll frisst, den man ihm vorsetzt ...

Vielleicht müssen noch mehr Publisher in wirtschaftliche Nöte geraten (EA), panisch Leute rausschmeissen, weil die Pleite droht (THQ) oder doch gleich Pleite gehen (Midway), damit so etwas wie Lernbereitschaft entsteht, weil entweder neue Eigentümer den Markt und seine Chancen eher begreifen oder man auf Grund ausbleibender Regierungshilfen keine andere Wahl hat, als sich anzupassen.