Donnerstag, 8. November 2007

Greedgate London

*BLAMMMM! BLAMMMM!*

*BLAMMM!*

... macht es erneut, als ich zum wiederholten Male meinen Schädel in vollem Schwung gegen den Türrahmen knallen lasse.

*BLAMMM!'

Ja, es tut weh. Aber das ist nichts im Vergleich zu dem Schmerz, den ich eben verspürt habe, als ich Bill Ropers Beschwichtigungsversuche zu der allgegenwärtigen Kritik an HGL auf Gamepro las.

Ganz ehrlich, dieser Mann (und vielleicht auch der Rest der Firma?) lebt mittlerweile in irgendeiner hübschen, bunten Phantasiewelt, die nicht mehr wirklich viel mit unserer Realität zu tun hat. Ein Beispiel?

Angesprochen auf die Reaktionen zum Subscriber-Modell sagt er:

"It's honestly confusing to me about the way people react to the subscription option in Hellgate. It's been more of a challenge to us than we anticipated. The whole idea was to give everybody what they wanted."

Bitte wie? Ich dachte die Idee hinter dem Abo-Modell war, EUCH mehr Geld zu verschaffen?

Auch sind seine Vergleiche mit den Abo-Preisen für WoW oder anderen MMORPGs komplett daneben, da HGL gar nicht mit diesen konkurriert:

"For subscribers, it's actually less than other MMOs like Tabula Rasa or World of Warcraft [$9.99 versus $14.99]. We're not trying to hose you, we're just trying to give people what they want."

Mööönsch, Bill! Für wie doof hälst Du uns? HGL ist ein Actionspiel mit Multiplayer-Lobby, KEIN MMORPG. HGL konkurriert mit Guild Wars und nicht mit WoW! Zudem, lieber Bill, so langsam kannst Du Dir die Phrase mit "Giving the people what they want" sparen. Es wird auch in der x-ten Wiederholung nicht glaubwürdiger.

Bill Roper reiht sich mit diesem Interview (in dem noch mehr Klopper vorkommen) meiner Meinung nach direkt hinter George W. Bush und dem ehem. irakischen Informationsminister ein. Realitätsverleugnung par Excellence! Herzlichen Glückwunsch!

PS: Wow! Ich dachte ja, dass HGL als Thema abgehakt wäre. Der Start war suboptimal, das Spiel noch nicht fertig, aber Potential war vorhanden. Vielleicht in einem Jahr wieder reinschauen. Aber dieses Interview schlägt dem Fass den Boden aus. Wow! Was für ein Dummschwätzer!

Mittwoch, 7. November 2007

Non-Gaming Interludium XIV - Heroes 2nd Season

*grrrrrrrrr*

Laut dieser Meldung wird die zweite Heroes-Staffel wegen des Autorenstreiks in Hollywood vorzeitig mit Episode 11 beendet. Ursprünglich waren 22 Epsioden geplant.

*dicken hals habend*

Andererseits ... alles, was den Studios in ihrer unendlichen Gier einen Tritt vor's Schienbein versetzt, ist grundsätzlich zu begrüßen. Von daher können die Autoren gerne noch eine Weile streiken.

Was mich auf den Gedanken bringt ... immer wieder wird von den herben Arbeitsbedingungen in der Spielebranche berichtet. Bedingungen, denen sich KEIN EINZIGER Käufer dieser Software freiwillig aussetzen lassen würde, wenn diese an seiner Arbeitsstelle, in seiner Uni oder in seiner Schule herrschen würden.

Ist zwar nur ein Wunschtraum, aber es wäre ebenfalls zu begrüßen, wenn der Gier der Publisher endlich mal ein Entwicklerstreik mit Forderungen nach vernünftiger Bezahlung und geregelten Überstunden gegenüberstehen würde. Doch dummerweise bevorzugen Spiele-Entwickler nach nur wenigen Jahren die Branche in Richtung besserer Jobs wieder zu verlassen. Die Fluktuation ist enorm und draussen vor der Türe stehen genügend junge Nachwuchskräfte, die sich Arme und Beine ausreissen lassen würden, nur damit sie in der Spiele-Industrie arbeiten dürfen.

Aussicht auf Besserung? Relativ gering. Solange "Spiele machen" als DAS erstrebenswerteste Ziel in den Augen vieler ist, solange werden die Peitschen geschwungen und die Sklaven schwitzen unter Deck, während die Trommel dumpf den Ruderschlag vorgibt.

Gefreiter Chen Wu blickt beschämt auf diese Leute. Wie will man Revolution machen, wenn die Schafe damit glücklich sind, geschoren und geschlachtet zu werden?

Dienstag, 6. November 2007

Ohrenschmaus - Zanzarah

Nach all dem Gebashe und den "ernsten" Themen der letzten Tage, gibt es heute mal wieder etwas locker-flockiges, den wöchentlichen Ohrenschmaus!

Wir schreiben das Jahr 2002. Harzzach kommt mit einem dicken Hals, einer Flasche Rotwein und einem vollkommen sinnlosen Frusteinkauf in der Tasche spät abends nach Hause. Gegessen hatte er ausser einem lätschigen Käsebrötchen nicht viel. Zusätzlich schwimmen in seinem Blut etliche Liter Espresso, die er sich den ganze Tag über via Übersprungshandlung eingeflösst hat, um nicht im Affekt diverse Vorstandshälse umzudrehen. Ja, es war einer dieser Tage!

Ruckzuck wurde die Flasche geköpft und fast schon sturzbachartig das erste Glas feinen Zinfandels runtergekippt. Immer noch extrem pissed, folgte dem ersten Glas das zweite nicht minder langsamer. Wohlig setzte sich nun endlich die angestrebte Realitätsverschiebung in Gang. Dann erst fiel mir ein, dass ich neben dem Rotwein noch etwas gekauft hatte. Hastig in der Tasche kramend fiel mir dann "Zanzarah" entgegen.

"Ohgott, was hab ich denn da gekauft. Ein Mädchen-Spiel? Nee, oder?"

Äusserst skeptisch öffnete ich die Verpackung und schob die CD ins Laufwerk.

"Ähhhh, was zur H...."

Wenige Sekunden später kroch ich in den Bildschirm. Denn da lief das Intro zu Zanzarah. Da drangen Töne und Melodien aus den Boxen, die in meinem schon etwas angeschickerten Zustand einen Instant-Heinrich-Böll-Irland-Flash auslösten. Da sang nämlich Karina Gretere, eine lettische Musikerin, den Titelsong und beamte mich quantenteleportmäßig um drei Ecken und sieben Quarkzustände höher in eine Welt frei von keifenden Vollspacken und sinnlosen Excel-Tabellen. Stell Dir Enya vor, nur besser, aufregender und frei von dieser Hochglanzlangeweile, welche die Gute so gerne geruhte zu verbreiten. Karinas Stimme löst auch heute noch behutsam mein Großhirn samt Rückenmark aus meinen Körper und schliesst dieses an eine Hochspannungsleitung an. Und es tut nichtmal weh!

Vom Spiel selber habe ich nicht viel mitbekommen. Es sah zwar richtig gut aus, doch angesichts der halben Flasche vertilgten Weins, die zu diesem Zeitpunkt schon heftig Radau in meiner Blutbahn machte, war an ein vernünftiges Steuern der Elfenkämpfe eh nicht zu denken. Egal ... den ganzen Abend lief nicht nur der Titelsong, sondern der ganze Soundtrack rauf und runter, soweit ich ihn in diesem Zustand noch aus den Spieldaten extrahieren konnte.

Zu meinem großen Erstaunen gelang mir am nächsten Tag der Trip erneut. Diesmal stocknüchtern. Es lag wahrscheinlich doch an der Musik :)

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Montag, 5. November 2007

Gewinner und Verlierer

Ein kleiner Kommentar zu dem Paradigmenwechsel in meinem Kauf- und Konsumverhalten:

Einer meiner ersten Beiträge in diesem Blog behandelte die Dauerauseinandersetzung zwischen PC-Nerds und Konsoleros. In anderen Beiträgen und Kommentaren drehte sich alles um die Frage, ob denn der PC als Spieleplattform "tot" sei. Konsoleros jubeln angesichts neuer Umsatzrekorde und Projekte, die einstige Vorzeige-Studios der PC-Landschaft nun exklusiv für eine Konsole entwickeln. PC-Nerds grämen sich und verstehen die Welt nicht mehr, weil alle Welt scheinbar infantil und dumm geworden ist. Man diskutiert sich um die Frage die Köpfe heiss, wer denn gewonnen und wer denn verloren hat. Sind Konsolen die Spieleplattform der Zukunft? Wird der PC nur noch zum reinen Arbeitswerkzeug degradiert?

Nun, ich vermag diese Frage nicht zu beantworten. Ich kann nur sagen, wer definitiv jetzt schon gewonnen hat und wer wahrscheinlich verlieren wird.

Gewonnen hat eindeutig: ICH!

Ich habe mich im Laufe der Jahre frei gemacht von dem Drang alles Neue sofort haben zu müssen. Ich kann mittlerweile erkennen, ob man mir ein faires Angebot macht oder ob man mich über den Tisch ziehen möchte. Ich kann warten. Ich bin zwar nicht unbedingt ein besserer Mensch geworden, aber ich bin mündig geworden. Ich lasse mich nur noch selten verarschen. Und wenn es jemandem gelingt, so merke ich das mittlerweile :) und reagiere darauf sehr nachhaltig und konsequent.

Das betrifft nicht nur den Bereich Spiele und Unterhaltungsmedien, sondern im Grunde jeden Bereich meines Lebens. Ich als Halb-Schwabe bin, wie die Sage geht, mit 40 wohl endlich erwachsen geworden. Aber zurück zu Spielen.

Wie äussert sich diese, hmm, Emanzipation nun. Bastele ich mir Plakate und ziehe vor dem Deutschland-Hauptquartier von EA oder Microsoft lautsprechend meine Protestrunden? Nein, viel gemeiner. Und viel schlimmer. Ich entziehe all diesen Firmen genau das, was sie am dringensten von mir haben wollen ... mein Geld! An mir verdienen diese Firmen solange nichts mehr, solange ihr Angebot nicht meinen Vorstellungen entspricht. Nun, Nicht-Zocker mögen jetzt milde und herablassend lächeln und den Kopf über diese Kellerkinder schütteln, die solche elementaren Grundsätze erst jetzt entdecken. Aber man darf dabei nicht vergessen, dass Computerspiele ein in hohem Maße emotionales Produkt sind. Da wird, im Gegensatz zu Waschmaschinen oder Flaschenöffnern, nicht mit dem rationalen Verstand eingekauft, sondern oftmals aus einem Impuls heraus. Weil man Spiel XYZ unbedingt haben muss. Deswegen können sich Publisher und Hardware-Hersteller über Jahre hinweg auch Klöpse leisten, die in anderen Branchen nicht denkbar wären.

Mir ist das mittlerweile egal, was Firmen wie Microsoft, was kundenverklagende deutsche Firmen, was vom Kopierschutz bessesene Publisher wie Take2 so treiben. Ich kaufe Euren Kram nicht mehr! Ihr seht von mir kein Geld mehr.

Denn die Verlierer ... die seid Ihr!

Wenn es einen Hauptverantwortlichen für die weltweiten Umsatzrückgang bei PC-Spielen gibt, dann sind das nicht die phösen, phösen Raubmordneonazikinderficker-Kopierer, sondern das ist die Industrie selber. Weil sie in ihrer Gier und ihrer kurzsichtigen, paranoiden Denke vergessen haben, dass der Kunde ihnen gegenüber NICHT zum Umsatz verpflichtet ist. Umsatz lässt sich nicht erzwingen. Jede Zwangsmaßnahme, jede Restriktion, jede krude Marketingaktion führt nur dazu, dass sich der Kunde, der früher gerne und freiwillig gekauft hat, in Scharen abwendet und sich den Angeboten nähert, die ihm einen entsprechend vernünftigen Gegenwert liefern.

Es gibt viele Leute, die sich für die neuen Features interessieren, die DX10 bietet. Ich selbst bin (auch wenn man den gegenteiligen Eindruck gewinnen könnte) den versprochenen Performancesteigerungen nicht abgeneigt. Könnte schon eine nette Sache sein. Aber ich werde mir dafür kein Vista zulegen, nur weil jemand bei Microsoft vor ca. anderthalb Jahren gemerkt hat, dass der Hoffnungsträger des Konzerns nach dem Wgfall geplanter Kernkomponenten plötzlich a bisserl wenig Features hat, die man anpreisen kann. Andere sind da auch nicht gerade in Kauflaune, wenn man die neuesten Zahlen zu Vista heranzieht.

Würde sich jemand zB. ernsthaft für Bioshock interessieren, so ist dieser Person nur zu empfehlen sich eine 360 und die 360-Version von Bioshock zu kaufen. PC-User müssen sich angesichts dieses wirren DRM-Gefrickels der PC-Version von Bioshock ja nur noch verhohnepiepelt vorkommen. Nunja, sie tun es ja auch ...

Ich hatte mein Schlüsselerlebnis bez. PC-Spiele vor ca. vier Jahren mit Spellforce. Buggy like hell, katastrophaler Release-Zustand und dann auch noch ein Kopierschutz, der mir als zahlendem Kunden den Spielstart verweigerte. Die Firma Jowood wird für den Rest ihres kommerziellen Daseins von mir kein Geld mehr sehen. eBay, Bittorrent und Gamecopyworld sind meine Freunde und Wegbegleiter geworden.

Und Firmen, die meinen mit Abmahnanwälten ihre Kundschaft zum Kauf zwingen zu wollen, die bekommen auch kein Geld mehr. Seien es eine Reihe deutscher Publisher oder die Major Labels der Musik-Industrie.

Jungs, IHR habt verloren! Der PC als Spieleplattform mag vielleicht derzeit nicht gerade blühen, aber tot ... tot seid ihr! Ihr wisst es nur noch nicht!

Sonntag, 4. November 2007

Der Ford Edsel des Action-Rollenspiels?

Vorbemerkung: Das ist natürlich keine "richtige" Review oder gar ein abschliessendes Urteil. Folgende Sätze sind nur meine ganz persönlichen Eindrücke, Impressionen und Gedankengänge nach ca. drei Stunden Beschäftigung mit Hellgate London.

Nachdem ich mit Mythos meinen täglichen "30-60 min-Spass" habe, wollte ich nicht weiter dumm bleiben und habe mir die Hellgate London-Demo gezogen.

Nun, nach dem Spielen der Demo habe ich mir noch die Vollversion besorgt, weil ich wissen wollte ... weil ich wissen wollte, ob das tatsächlich so über die Ladentheke geht.

Und ja, es geht tatsächlich so über die Ladentheke.

Vielleicht tue ich Flagship Studios unrecht, vielleicht habe ich trotz des Wissens, dass es sich hier um einen Arcade-Multiplayer-Schnetzler a la Diablo handelt, immer noch zuviel erwartet. Vielleicht war es auch ein Fehler, der Welt letztes Jahr dieses absolut gigantisch aussehende Gameplay-Video zu zeigen. Ich habe mir das Teil gestern abend nochmal zur Gegenkontrolle angeschaut. Ich habe mir die Videopreview von der Gamestar nochmals angeschaut. Es ist schon erstaunlich, dass eine Alpha ca. anderthalb Jahre vor (!) dem Release zT. besser aussieht als das fertige Spiel. Entweder hat man ganz gewaltig das Video nachbearbeitet oder es ist letzten Monat versehentlich ein Build mit einer alten Version ins Presswerk geraten. Es ist nicht so, dass HGL schlecht aussieht. Nein, nicht unbedingt schlecht. Aber so ... so ... langweilig?

Und es ruckelt. Nicht ständig, aber immer wieder Ruckler, wenn der Char ein paar Meter weiter läuft und scheinbar Leveldaten nachgeladen werden. Was ich eventuell nachvollziehen könnte, wenn in einer Multiplayer-Partie Client und Server Daten abgleichen und der Client nur ein 56k-Modem hat, aber bei einer SP-Partie? Achso, ja klar, das soll nur den Spieler darauf vorbereiten, wie es dann im richtigen Spiel zugeht. Natürlich, logisch! ;-P

Der Singleplayer-Part ist dürftig. Richtig dürftig. Nach nur 10 min habe ich bereits vergessen, dass ich eigentlich einer Hauptmission zu folgen habe, erledige die erste Nebenmission, in der es um ein verlorenes Kunstbein geht (Hahaha, netter Scherz, Mr. Roper :) ), erledige noch eine Mission ... und frage mich dann, was das eigentlich alles soll. Nein, was ICH hier eigentlich soll. Weil, Spass macht das nicht. Langweilig. Öde. Wer sich HGL kaufen möchte, weil er wie bei Diablo 2 eine fetzige und atmosphärische SP-Kampagne spielen will, der sollte davon bitte Abstand nehmen. Die Anspannung, die man nach Betrachten des Intros verspürt, verflüchtigt sich nach kürzester Zeit in den Tunneln der Londoner U-Bahn. Zu deutlich merkt man dem Spiel an, dass man in dieses Feature so gut keine Arbeit gesteckt hat, dass der SP-Part nichts weiter ist, als eine simple Offline-Partie. Flagship, verzichtet bitte auf einen SP-Part, wenn ihr keinen Bock oder einfach keine Ressourcen dafür habt, ja? Habe ich kein Problem mit. Aber nicht ... nicht sowas. Das ist armselig!

Und ja, wie bereits in den Kommentaren erwähnt, nervt es, wenn NPCs ein Standard-Sprachsample von sich geben, welches überhaupt nichts mit dem Dialog zu tun hat. Ist wohl eine Folge, wenn man prozedurale Inhalte und Quests erstellt, diese aber nicht alle vertonen möchte, aber trotzdem nicht auf Sprachausgabe verzichten will. Jungs, entweder, oder. So aber wirkt das, hmmm, wie gewollt und nicht gekonnt. Richtig, das ist bei Mythos ebenfalls so. Aber dafür bezahle ich auch keine 50 Euro, himmelnochmal!

Ich kann jetzt das Posting im Mythos-Forum sehr gut nachvollziehen, in dem jemand Flagship einen großen Fehler vorwarf. Weil Mythos nämlich sehr viel spassiger und unterhaltsamer ist. Beide Spiele gleichen sich wie ein Ei dem anderen, was angesichts des Umstandes, dass Mythos als Testumgebung dienen soll, naheliegend ist. Mythos sieht aber UM LÄNGEN besser aus, was nicht nur am Art Design liegt. In Screenshots kommt das leider nicht so rüber, aber die Liebe zum Detail ist bei Mythos, obwohl die Level nur aus vordefnierten Platten zusammengesetzt werden, so sehr spürbar. Da liegt auf Mauervorsprüngen ein dynamisches HDR-Lichtchen, Lichtstrahlen fallen durch das Blätterdach, Gewitterwolken verdunkeln die Sicht. Metallrüstungen und Waffen gefallener Feinde glänzen ebenfalls mit feinen, kleinen HDR-Effekten. HGL hingegen ... es gibt bei Video-Reviews der Gamestar einen geflügelten Begriff, mit dem wenig spektakuläre, respektive nicht allzu prickelnde Graphik höflich umschrieben wird mit: "Es sieht halt so aus, wie es aussieht!" Genau das kann man auch über HGL sagen. Es wirkt einfach trist und fade. Vielleicht wird das in späteren Levels besser, aber es kommt nicht allzu gut, wenn man ein Spiel mit Mülltonnen-Design beginnen lässt. Und ja, ich habe bis auf das Anti-Aliasing alle Details auf Maximum. Sieht immer noch fade aus. Mit mittleren Details wirkt HGL wie ein Spiel aus dem letzten Jahrtausend, um es mal vorsichtig auszudrücken. Hat man bei Flagship keine Graphiker beschäftigt? Haben die Programmierer alle Pixelshader-Effekte und Texturen selber mit Inhalten füllen müssen?

Das Mythos-Interface wirkt auch einfacher und direkter und ich habe das Gefühl das Geschehen und die Spielfigur besser zu kontrollieren. Rückmeldungen aus dem Spiel sind direkter und klarer. Bei Mythos weiß ich, dass ich einen Gegner getroffen habe. Ich SEHE es! Bei HGL kloppe ich auf ein Monster ein, und sehe nur anhand der schrumpfenden HP-Leiste, dass ich wohl getroffen habe. Meine Schlaganimation und die Trefferbox des Gegners scheinen optisch nicht viel miteinander zu tun zu haben. Und da fällt mir immer wieder Rune oder Severance ein. Und wie es nach diesen beiden Spielen KEIN Entwickler mehr fertiggebracht hat Action-Schwertkampf in der Ego- oder ThirdPerson-View vernünftig umzusetzen. Waren da irgendwelche Patente drauf oder wie?

Und so weiter, und so fort ... ich war nach einer Stunde, ehrlich gesagt, sprachlos! Aber nicht, weil mir die Freudentränen in den Augen standen. Nein, mir fielen nur drei Worte ein: What the fuck? Dieses spezielle London ist wirklich von allen guten Geistern verlassen. Kein wirklich schlechtes Spiel, aber meiner Meinung nach ein Spiel, dem mindestens (!) noch ein halbes Jahr Crunchtime und Feinpolitur fehlen. Das Potential ist da, die Ausführung ist jedoch, um es höflich auszudrücken, in höchstem Maße unbefriedigend. Wohlgemerkt, wir reden hier nicht von dem Erstlingsprodukt eines jungen Entwickler-Teams. Die Mannen um Bill Roper sind Genre-Veteranen. Urgesteine, deren Erfahrung und Talent schon eine gewisse Erwartungshaltung rechtfertigt.

Ich wiederhole, vielleicht tue ich Flagship und HGL unrecht. Vielleicht beurteile ich das Spiel aus einer etwas verqueren Perpektive und einem Blickwinkel, den sicherlich nicht jeder einnehmen wird. Vielleicht bietet Hellgate im späteren Spielverlauf, in höheren Leveln die Aha-Momente, die man von einem kommerziellen Spiel, welches auch noch kostenpflichtige Premium-Accounts anbietet, erwarten kann. Vielleicht bretzelt man später als Lvl60-Templar mit seinem Clan durch Wogen von Dämonen und möchte nie mehr etwas anderes spielen. Vielleicht ...

Ich bin mir da aber nicht so sicher. Wenn eine simple, kostenlose, vereinfachte Test-Version der Server-Architektur mir und auch anderen deutlich MEHR Spass macht, als das eigentliche Triple-A-Vollpreis-Spiel, dann ist irgendwo etwas schiefgelaufen.

Und das nicht zu knapp!

Freitag, 2. November 2007

Geht mir auch am Allerwertesten vorbei

Tabula Rasa wirft die Server an!

Ja, toll! Und?

Aber, aber, das ist das Tabula Rasa! Das neue Projekt von Richard "Lord British" Garriott!

Und? Ich warte ...

Richard Garriott? Der Schöpfer der Rollenspiel-Serie, die Dich überhaupt erst so richtig für dieses Hobby heiss gemacht hat? The Master of Ultima? Hallo?

Ich warte immer noch. Warum soll ich jetzt begeistert sein? Ein neues SP-Rollenspiel von Richard Garriott hätte mich schon eher interessiert. Aber so ein MMO-Dingenskirchen? Hmm ...

Du spielst doch aber Mythos so gerne *verzweifel* Das ist doch auch ein MMORPG! Und, und Du hast doch auch gerne Ultima Online gespielt!


Nein, Mythos ist ein Action-RPG mit angeflanschter Multiplayer-Lobby. Und ja, ich habe UO gerne gespielt. Du bemerkst die Verwendung der Vergangenheitsform im vorherigen Satz?

Aber, aber ...

Face it, Freundchen! Auch Lord British kann mich nicht mehr automatisch in Begeisterung versetzen. Ich bin nunmal ein zynischer, alter Sack geworden. Große Namen sind nichts. Erwartungshaltung ist nichts. Erfolge in der Vergangenheit sind ..., richtig, in der Vergangenheit!

Es lebe der Moment! Das jetzt, hier und heute! Macht es plötzlich KLICK oder bleibt es beim GÄHN?

Schalten Sie auch nächstes Mal wieder rein, wenn dieser alte Sack spontan einen Blick auf Hellgate London geworfen hat. Veriß oder Jubel? Bestätigung oder Überraschung? Nächste Woche, nur auf SeniorGamer!

Donnerstag, 1. November 2007

Stell Dir vor ...

... es erscheint ein neues Rollenspiel für den PC und es kratzt mich nicht die Bohne!

Die Rede ist von "The Witcher", welches mich noch vor geraumer Weile ganz erheblich (!) interessiert hat. Jetzt ist es endlich erschienen. Die einen geben ihm relativ miese Wertungen (Print-Magazine), die anderen (Online-Vertreter) scheinen recht begeistert zu sein. Ich hingegen habe nicht einmal Bock mir das Teil zum Selberantesten aus dem Netz zu laden.

Ich wundere mich gerade selber über mich ...

Nein, Mythos nimmt nicht soviel Zeit in Anspruch, dass man ich nicht einmal mehr die Muse finden würde in ein neues Spiel zu schauen. Und nein, auch FF3 ist derzeit nicht der Zeitfresser, der verhindert dass ich einen kurzen Blick auf ein neues Spiel werfen kann.

*kopfschüttel*

Es erscheint ein neues Rollenspiel für den PC und der Herr hier hat nicht einmal Bock sich eine Kopie aus dem Netz zu besorgen. Mein Gott, Du hast doch sogar Bandbreite für "Two Worlds" verschwendet, was ist jetzt los?


Keine Ahnung. Es interessiert mich schlichtweg nicht ... mehr? Es mag vielleicht daran liegen, dass die Entwickler meinen, Rollenspiele für Erwachsene dürfe man nur mit viel Blut, NPC-Gruppensex und abgefuckter, düsterer Atmosphäre machen. Kann sein, dass die Entwickler gerade erst volljährig geworden sind und sich nun nur so in "Erwachsenen-Themen" wälzen wollen. Ich hingegen gähne nur dezent und warte auf Väterchen Zufall, der mir vielleicht in einigen Jahren "The Witcher" auf die Festplatte spült. Oder auch nicht ...

*achselzuck*

Nachtrag:
Ich glaube, ich weiß jetzt, warum mich The Witcher anödet. Es hat einfach keinen Charme.