Montag, 31. August 2009
Mittwoch, 26. August 2009
Nicht mehr zeitgemäß
Es gibt nichts, was beim Studium von Computerspiel-Reviews meine Halsschlagadern mehr zum Pulsieren bringen als die Worte "Nicht mehr zeitgemäß". Vor allem, wenn sie vom Autoren einfach so in den Raum geworfen werden, ohne genauer zu beschreiben, WAS denn im Vergleich zu anderen Spielen nicht mehr "zeitgemäß" ist und warum andere Spiele im Vergleich zum getesteten Spiel "zeitgemäßer" sind.
Aktuell rollen sich mir beim Lesen der Golem-Review zu "Wolfenstein" die Fußnägel auf. Mehrfach!
Mir persönlich hat "Wolfenstein" aus den üblichen Savepoint/Autoheal-Gründen nicht sonderlich gefallen, aber was hier an arroganter Herablassung zur Graphik des Spieles gesagt wird, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, denn ich hatte Gelegenheit mir das Spiel auf leistungsfähiger Hardware und aktuellster Software-Umgebung anzuschauen. Mir haben hier vor allem die vielen kleinen Effektdetails gefallen, mit denen Querschläger, Laufspuren, Mündungsfeuer, qualmende Läufe, die Auswirkungen des Veil-Effektes oder Vollbildeffekte scharf (!) und ohne (!) die übliche Schmiererei eines Unreal-Engine-Spieles dargestellt werden. SO will ich das haben. Schicke Graphik, ohne dass mir mein Mittelohr einredet, ich müsse jetzt das Mittagessen widerkäuen.
Lange habe ich nicht gespielt, von daher kann ich nichts großartig zum Leveldesign des übrigen Spieles sagen, aber vielleicht findet der Autor Bahnhöfe und Strassenzüge der 40er nicht so sonderlich spannend? So wie ich bei FEAR fast eingeschlafen bin, als man mich SCHON WIEDER durch Containerhäfen, Lagerhallen und einfache Büroräume in faden Gewerbegebieten geschickt hat. Aber ich hätte die Graphik von FEAR niemals als "nicht mehr zeitgemäß" bezeichnet, sondern nur das langweilige Leveldesign angesprochen. Hmmm ...
Oder, vielleicht hat der Autor aus Unkenntnis der Materie technische Features, Art Concept und Leveldesign eines Spieles in einen Topf geworfen, kräftig umgerührt, um daraus den Eintopf seines Mißfallens zu kochen? So wie unkundige Amateure oft genug diese drei Aspekte verwechseln und durcheinanderbringen, wenn sie von "schlechter Graphik" reden?
Oder ist der Autor höchstens 8 Jahre alt und kennt ausser den Shootern, die dieses Jahr erschienen sind, sonst nichts anders? Ergeht man sich bei Golem gar der unerlaubten Kinderarbeit?
Ich schaue am Ende des Textes nach einem Namen und finde das Kürzel PS. PS, das steht hier nicht für Post Scriptum, das steht für "Peter Steinlechner". Ok, jetzt wundert mich nichts mehr. Ich habe mich schon während seiner Tätigkeit bei der Gamestar desöfteren gefagt, was er im Vergleich zu mir denn bitte auf dem Bildschirm zu sehen glaubte. Nicht, dass ich der Meinung wäre, ich hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen, Gott bewahre. Andere Redakteure haben es aber hin und wieder geschafft ZU BEGRÜNDEN, warum sie dieser oder jener Meinung waren.
Nichtsdestotrotz ... "nicht mehr zeitgemäß" ist an Nicht-Mehr-Zeitgemäßigkeit nicht mehr zu überbieten. Ein schlampiger, überheblicher Satzfetzen für schlampige, überhebliche UND faule Redakteure. Kurz angespielt, den Pressetext zum Setting kurz umformuliert, die Featureliste zum MP-Mode abgeschrieben, ohne den MP-Mode auch nur zu berühren und den Rest mit vorgefertigten Satzbausteinen aufgefüllt. Super!
Bähh!
PS: ;-)
Ich finde "Wolfenstein" deswegen immer noch nicht gut. Aber den Vorwurf "veralteter" Graphik, den muss sich dieser Titel nun wahrlich nicht gefallen lassen.
Montag, 11. Mai 2009
Gamer, Blogger, Bauernfänger
Was würdet Ihr davon halten, wenn ein nicht ganz unbekannter Name des deutschen Spielejournalismus sich mit anderen, nicht ganz unbekannten Namen des deutschen Spielejournalimus zusammentut und ein neues Online-Magazin auf die Beine stellt?
Nun, ihr würdet vielleicht sagen, dass ihr Euch schon gefragt hattet, ob diese Namen überhaupt noch unter uns Lebenden weilen und was diese Leute nun so treiben. Ihr würdet vielleicht sagen, dass man sich dieses neue Projekt mal anschauen könnte. Vielleicht taugt es ja was.
Was würdet ihr davon halten, wenn dieses neue Online-Magazin eine starke WebZwoNull-Komponente hat, man nicht nur Meldungen und Artikel kommentieren, sondern sogar selber Inhalte liefern kann?
Nun, Wikipedia ist was feines. Etwas sehr feines sogar. Wenn man etwas in der Art im Spielebereich aufziehen könnte, ein Community-Projekt, frei von den Beeinflussungen der Publisher, das wäre doch was, nicht?
Was würdet ihr davon halten, wenn sich herausstellt, dass dies doch kein Community-Projekt wird, sondern ein kommerzielles Online-Magazin, welches einen nicht unerheblichen Anteil seiner Inhalte von Amateuren ohne Bezahlung beziehen soll, um die Herstellungskosten zu drücken?
Ich weiß nicht, was ihr dazu sagen würdet ... ich sage hierzu nur:
Geht's noch?
Man nehme ein Ranking-System, um naive, dumme Amateure mit Schwanzvergleichsbedürfnis zum Schreiben kostenloser Texte zu animieren. Diese Texte werden dann von professionellen Redakteuren redigiert (weil die Amateure ja nach Aussage von GamersGlobal keine Ahnung vom Texteschreiben haben) und veröffentlicht. Werbeeinnahmen verbleiben natürlich bei den Betreibern der Seite, den Autoren bleibt nur eine Schwanzvergleichspunktzahl und die Illusion, von ehem. Größen der Branche an das Schreiben professioneller Texte herangeführt zu werden.
Nochmals in aller Deutlichkeit: Wer dort mitmacht, verhilft einem kommerziellen (!) Portal zu kostenlosen, redaktionellen Inhalten, die weit, WEIT über die übliche Lesertest-Ecke hinausgehen. Man bekommt dort keinen Cent, man darf sich höchstens einreden, jetzt total superwichtig zu sein. Und was die Urheberschaft an den eingelieferten Texten betrifft, so wird diese nach der redaktionellen Überarbeitung wahrscheinlich bei Gamers Global liegen und nicht mehr bei den eigentlichen Autoren.
Sehr geehrter Herr Langer, vielleicht täusche ich mich auch. Vielleicht haben Sie Ihre Idee nur höchst unglücklich kommuniziert oder die Hälfte der Erklärungen vergessen, so dass ich Ihr Projekt mißverständlich aufgefasst habe. In diesem Falle würde ich mich natürlich entschuldigen, meine Kritikpunkte entsprechend revidieren und Ihnen viel Erfolg wünschen.
Vielleicht täusche ich mich auch nicht und Sie versuchen einfach auf die übliche Praktikannten/Studenten-Tour billig an redaktionelle Inhalte zu kommen, so wie es immer mehr Agenturen und Firmen in diesem Umfeld versuchen, weil der Werbemarkt zusammengebrochen ist und man entweder kein Geld mehr hat oder ganz grundsätzlich nichts investieren, sondern nur schnell abzocken möchte. In diesem Falle wünsche ich Ihrem Projekt dann natürlich den Erfolg, den es so zwangsläufig haben wird: Nämlich gar keinen!
Freitag, 12. September 2008
Reviews, wie ich sie mir wünsche
Nicht, dass ich das Online-Portal 4Players für der Weisheit letzten Schluss halte.
Nicht, dass ich zu den sogenannten "Jörg Luibl"-Jüngern zähle, die anbetenderweise an jedem Wort hängen, welches der Großmeister von sich gibt.
Aber ...
Aber man lese diese beiden Reviews. Ein Test zu "Die Sims 2: Apartment-Tiere" für den DS und einen Test zu "Stalker - Clear Sky".
Hier wird nicht rumgepienst und hier wird nicht weichgespült. Hier wird ganz subjektiv und ohne auch nur den Hauch einer Bemühung Konsens erzielen zu wollen, einfach frisch von der Leber abgelästert. So richtig in die Vollen.
YESSS!
Ich weiß, das gefällt dem kleinen Schweinehund in mir. Wenn so richtig auf jegliche politische Korrektheit geschissen wird und der Autor des Artikels die Schleussen seines Herzens weit, weit öffnet und die Finger auf dem Keyboard seinen Gefühlen folgen. Zu sagen, was einem auf die Seele drückt, was man aber sonst aus diversen Gründen runterschluckt und doch die üblichen Huschelkuschelglücksbärchi-Sätze verwendet.
*rotzkotzbrech*
Es gibt eine Zeitschrift, die ich vor einer Weile angefangen habe regelmäßig zu kaufen. Elffreunde. Eine Fußball-Magazin. Dort wird über Fußball so geschrieben, wie ich mir wünsche, dass man über Computerspiele schreibt. Rotzig. Kotzig. Subjektiv. Frech und sich gar nicht bemühend, es irgendjemandem recht zu machen. Mein Lieblingsverein, der Karlsruher SC, wird in diesem Magazin gerne runtergemacht und die Chefredakteure beflügelt eine seltsame Liebe zu Arminia Bielefeld. Gott weiß warum. Ich mag dieses Magazin trotzdem. Oder gerade deswegen. Keine Ahnung. Egal. Was ich eigentlich sagen wollte ...
Ich wünsche mir mehr dieser 4Players-Schreibe. Rotzig. Kotzig. Subjektiv. Auch wenn sie Drakensang runtergemacht haben.
Scheiss drauf ...
Montag, 2. Juni 2008
Erwachsen werden
Seit über 30 Jahren sind Videospiele, Computerspiele, elektronische Spiele Teil unseres Alltages. Früher nur eine typische Beschäftigung für Jugendliche, die zuerst in Spielhallen abhingen, dann später ihre Konsole oder den "Brotkasten" zu Hause stehen hatten. Computerspiele waren in der Wahrnehmung der Öffenttlichkeit und im Selbstverständnis der Branche etwas für Kinder und Jugendliche. Etwas, dass diese Kinder und Jugendlichen selbstverständlich hinter sich lassen, wenn sie älter werden.
Nun, Comics sind seit einer geraumen Weile in der Erwachsenenwelt angekommen. Es gibt dedizierte Comics für ein erwachsenes Lesepublikum, Comics werden in Kunsthallen ausgestellt, Comics sind mittlerweile (hauptsächlich ausserhalb der Grenzen des deutschen Sprachraumes) Teil der öffentlich anerkannten "Kultur" geworden. Und zwar nicht, weil "man" dies eines Tages so beschlossen hat, sondern weil Kinder und Jugendliche im Laufe der Zeit NICHT aufgehört haben Comics zu lesen, sondern dies natürlich und selbstverständlich auch als Erwachsene weiterhin getan haben.
Die selbe Entwicklung, etwa 10-15 Jahre versetzt nach meiner Wahrnehmung, erleben nun Computerspiele. Mittlerweile hat es sich zumindest hier und da herumgesprochen, dass Computerspieler im Durchschnitt keine Kinder mehr sind. Angeblich ist der durchschnittliche Computerspieler etwa 30 Jahre alt. Diesem Fakt kann sich auch das etablierte Feuilleton, die erhabenen Wächter über Kunst und Kultur nicht länger entziehen. Bei Telepolis gibt es hierzu einen sehr interessanten Artikel.
Interessant hierbei auch die Erwähnung, dass die sog. Spielepresse natürlich auch "erwachsen" werden muss. Spielekritik sollte nicht länger in der Wertungshölle der typischen 100%-Skala verharren, sondern wirklich eine Kritik, eine Beschäftigung mit dem Spiel und dem Medium werden, anstatt sich nur auf schlichte Kaufempfehlungen mit Stiftung Warentest-Charme zu beschränken, deren angebliche Objektivität auf Grund etlicher Vorfälle in der Vergangenheit immer öfter angezweifelt wird. Dass die Spielepresse (online wie print) immer mehr zum verlängerten Arm der Marketingabteilungen der Publisher wird, ist ja nichts mehr neues.
Jetzt ist es natürlich ein leichtes, auf die phöse, phöse Presse zu schimpfen. Habe ich früher auch gemacht. Ohne große Gewissenbisse übrigens, weil der aktuelle Zustand nur Schelte verdient hat. Dennoch macht man es sich viel zu einfach, wenn man nur mit dem Finger auf DIE Publisher und DIE Presse zeigt. Die ersteren wollen nur verkaufen. Möglichst viel mit möglichst wenig Aufwand. Die letzteren wollen verständlicherweise nur von ihrem Job leben können, ein Sell-Out ist da naheliegend und durchaus verständlich. Also werden wir auch in Zukunft diese typischen 08/15-Spielereviews zu sehen bekommen, in denen brav alle Features aufgelistet, mit ein, zwei Absätzen besprochen, die negativen Dinge (wenn überhaupt) in einen Nebensatz gepackt und zum Schluß im Fazit ein paar wohlwollende Worte verloren werden, während daneben die übliche, Objektivität vortäuschende Prozent-Wertung prangt. Vielleicht sogar zusätzlich ein "Award", wenn das Spiel besonders "toll" ist.
Nun ist es ja nicht so, dass Journalisten, insbesondere Journalisten im Spielebreich, dumme, inkompetente Vollidioten wären. Zwar gibt es auch dort den üblichen Schnitt an Arschkrampen, doch die Mehrheit wird von Leuten gestellt, die sehr, sehr gerne, wirklich sehr gerne aus diesem seit Jahren etablierten Schema ausbrechen würden. Die gerne reflektierende und interessante Spielekritiken (!) schreiben würden und keine langweiligen, öden, Pseudo-Objektivität vortäuschenden Kaufempfehlungen. Was sie aber nicht dürfen. Nein, nicht weil es ihnen ein Chef-Redakteur oder gar ein immense Anzeigen schaltender Publisher vorschreibt. Sondern weil dies ein Großteil der Leser GENAUSO UND NICHT ANDERS haben möchte.
Immer wieder versucht man bei dieser oder jener Publikation einen Vorstoß, um wenigstens die Prozent-Wertungsskala in den Mülleimer der Geschichte entsorgen zu können. Pustekuchen! Die Mehrheit der Leser fordert vehement eine einfache Übersicht, um sehen zu können, wie "gut" oder "schlecht" ein Spiel ist. Nichts weiter als simple Kaufberatung eines schlichten Konsumproduktes, welches man nach einmaligen Durchspielen schnell wieder vergeßen hat, weil man sich nur ein Jahr später denselben Mist nur in schönerer Verpackung wieder als DAS NEUE DING andrehen lässt. Die Art und Weise, wie hier mit einfachsten Mitteln Hype erzeugt wird, wie hier einfachste Ansprüche befriedigt werden, legt den Schluß nahe, dass ein nicht kleiner Teil der Computerspieler vielleicht körperlich erwachsen geworden ist, in Punkto Computerspiele aber immer noch im Kindergarten steckt.
Es wird immer wieder gefordert, dass man Computerspiele endlich ernst nehmen soll. Dass Computerspiele Teil des Alltags breiter Bevökerungsschichten geworden sind und man sie daher nicht mehr als obskure Randgruppenbeschäftigung ohne Lobby und Einfluß behandeln darf. Das ist alles schön und gut. Dann wird es aber auch so langsam Zeit, dass man selber erwachsen wird.
Zero Punctuation ist zB. eines von vielen Anzeichen, dass dies mittlerweile passiert. Was Ben "Yahtzee" Croshaw hier von sich gibt, das ist nicht einfach nur "Haha, der ist aber lustig!". Das ist Spielekritik frei von all den Zwängen und Restriktionen der heute immer noch üblichen Kaufberatungen. Das ist Spielekritik! Kritik, wie sie in Literatur, Film, Musik und Theater schon lange, lange üblich sind. Nicht nur eine scheuklappige Beschäftigung mit dem Spiel als solchem in einem ansonsten luftleeren Raum, sondern eine reflektierende und die Umgebung einbeziehende Spielekritik.
Und vielleicht, vielleicht bekommen wir dann eines Tages auch eine "erwachsene" Kritik zu Spielen wie "Call of Duty 4", die über die naiv-kindliche Begeisterung angesichts der tollen Explosionen hinaus geht, und sich mit dem Spiel im zeitgeschichtlichen und tagesaktuellen Kontext beschäftigt. Vielleicht erleben wir dann auch den Tag, an dem ein Blitzblendvorgauckel-Spiel, welches nur hübsche Optik zu bieten hat, auch entsprechend nur durchschnittliche Wertungen bekommt. So wie es heute schon bei Blitzblendvorgauckel-Filmen gemacht wird, die ausser schicken Effekten eben nicht viel zu bieten haben. Vielleicht gehören Höchstwertungen für einen Graphikblender wie "Crysis" dann endlich der Vergangenheit an?
Sonntag, 13. April 2008
FUD oder Stille Post?
So mancher wird vielleicht dieses Interview auf Eurogamer.net gelesen haben. Oder die diversen News zu diesem Interview auf Kotaku oder anderen Seiten. In diesem Interview mit Microsofts XNA-Projektleiter Chris Satchell geht es in erster Linie um die Umsetzung dieses Spiele-Devkits für die 360 und zukünftige Pläne.
Manchem wird dabei aufgefallen sein, dass man dieses Interview auf zwei Arten interpretieren kann. Die eine, weniger populäre Interpretation, besagt, dass Mr. Satchell lediglich grundsätzlich auf die Sicherheitsgefahren hinweist, die mit offenem Modding, die mit User Generated Content auf dem zugrunde liegenden Betriebssystem, der zugrundeliegenden Hardware-Plattform Einzug halten können.
Die andere Interpretation, sehr viel populärer, besagt, dass Microsoft mit dem üblichen FUD und Propaganda-Gewäsch die Konkurrenz schlecht aussehen lassen und betonen möchte, wie toll und sicher doch das eigene Produkt, bzw. dass man User Generated Content doch besser nur mit DevKits wie XNA und dem XBOX Live Service anbieten sollte. Weil das ja sicher ist!
Vor allem die letztere Interpretationsvariante wird durch entsprechende Schlagzeilen in den News-Beiträgen stark angeheizt (Wired: Microsoft: Allowing Mods is 'Inviting Trouble', Kotaku: Microsoft: Others "Inviting Trouble" By Supporting Mods), so dass man fast schon von verfälschender Darstellung und Fehlinterpretation sprechen könnte. Und studiert man Kommentare und Forenbeiträge, so wird schnell deutlich, wie begierig die große Mehrheit der Leser auf den Zug aufspringt und wahlweise Microsoft alles Schlechte der Welt wünscht oder "nur" dem Software-Riesen aus Redmond eine komplett falsche Produkt-Strategie (Einschränkung von UGC) vorwirft.
Microsoft-Anhänger werden nun zu Recht darauf hinweisen, dass hier zwei, drei Sätze aus dem Zusammenhang gerissen wurden und in das Interview Dinge hineininterpretiert werden, die so da nicht stehen. Das ist soweit richtig, da im ganzen Interview mit keinem Wort erwähnt wird, dass UGC (user generated content), dass Modding grundsätzlich (!) etwas Schlechtes sei. Das steht dort nicht! Aaaaaaaber ... :)
... interessant ist dieser Satz:
"Any platform that let's you do that, and doesn't have the right security measures in place - whether it's Sony, whether it's Nintendo, whether it's Apple, whether it's anyone - you're inviting trouble, because sooner or later someone will want to prove they can do it."
Warum ist da nicht die Rede vom eigenen Online-Dienst auf der 360? Wieso ist da nicht die Rede von Windows, welches, abgesehen von seinen eigenen Myriaden an Sicherheitslücken, die es von Werk an gibt, als Betriebssystem für PC-Spiele und seine seit vielen Jahren lebendige und umfangreiche Modding-Szene, diese "Gefahren" relativ glimpflich überstanden hat? Und wieso passt dieser Satz und die Betonung auf "Gefahren" wie die Faust auf's Auge zur umstrittenen Politik von MS UGC nach Möglichkeit nur als kostenpflichtige Zusatzinhalte zu zulassen? Und warum liegt es förmlich auf der Hand, dass MS, als einziger Anbieter eines kostenpflichtigen Online-Dienstes, das eigene Angebot als "sicher" hinstellt, während die phöse, kostenlose Konkurrenz natürlich unsicher sein MUSS?!
Ich persönlich schließe mich mit meiner Interpretation der Mehrheit an. Keine, durch Stille Post und reisserisch gewählte Schlagzeilen angeheizte Hexenverbrennung, sondern das Entlarven des üblichen, nichts weiter als Marketing darstellenden Kommunikations-FUD.
Das ist aber nicht das eigentliche Thema dieses Beitrages. Man sollte, vor allem bei Newsmeldungen und "Aufregern", die man so tagtäglich im Netz vorfindet, immer genau hinschauen, wer hier was an welcher Stelle wie gesagt hat. Wenn andere Meinungen und Fakten wirklich nur einen simplen Mausklick entfernt sind, sollte man sich eigentlich nicht mit einer Schlagzeile zufrieden geben, nur weil sie so gut zur eigenen Meinung passt! Trau, schau, wem!
Und jetzt genug mit dem heutigen Wort zum Sonntag. Huschhusch, zurück an die Bildschirme, Controller und Handhelds! Oder wahlweise in die Sonne! Noch ein erholsames Rest-Wochenende wünschend :)
Montag, 25. Februar 2008
Warum ich noch die Gamestar lese
Als Blogger, sollte man annehmen, sind die etablierten Magazine (ob Print oder Online) mein Erbfeind. Vor allem die Print-Vertreter! Was natürlich Blödsinn ist! Ich mag "professionellen" Journalismus. Ich mag nur keinen Dummschwatz!
Nein, die Gamestar ist alles andere als der Avatar des unbestechlichen, souveränen und kompetenten Spiele-Journalismus. Die Gamestar ist auch nichts weiter als das übliche Stiftung Warentest-Äquivalent im Spielebereich. Will ich Journalismus lesen, gebe ich mir die GEE oder The Escapist. Will ich ungefilterte Meinungen lesen, suche ich Blogs auf. Wie zB. Kotaku oder Antigames. Was will ich also von der Gamestar?
Nein, die Testberichte sind es nicht. Will ich gute Testberichte im Sinne von unterhaltsam, lesbar und spitzig, lesen, gehe ich zu Eurogamer (.net, die englische Ausgabe, NICHT .de, die deutsche Version). Was Testberichte angeht, so verströmen vor allem deutschsprachige, kommerzielle Reviews immer noch zu sehr den Charme eines drögen TÜV-Meßbogens. Vor allem diese unsäglichen Prozentwertungen gehen mir auf den Sack. Test-Urgesteine wie zB. ein Mick Schnelle, dessen Sachverstand und Spiele-Kompetenz ich in keinster Weise anzweifeln möchte, sind zwar felsenfest davon überzeugt, dass man Spielspass-Vergleiche in nüchternen Zahlen ausdrücken kann ... aber wie wir alle wissen, ist nicht einmal der Papst unfehlbar.
Ok, was ist es dann? Warum kauft Du immer noch die Gamestar?
Der Grund hierfür liegt nicht unbedingt im den gedruckten Buchstaben, sondern in den kleinen Vertiefungen der beigelegten DVD. Und hier auch nur ein kleiner Teil von. Da gibt es nämlich seit einer ganzen Weile eine feste Rubrik. Den sog. Test-Check! In diesem Test-Check werden in relativer Kürze Titel vorgestellt, die im Heft nur wenig Platz bekommen und auch keinen eigenen Videobeitrag erhalten. Und im Gegensatz zu den Tests der üblichen Hype-Titel, so herrlich angenehm unaufgeregt. Ohne dieses allgegenwärtige Marktgeschreie. Ohne diese zT. unsäglichen Gleichsetzungen von Nicht-Mördergraphik mit "abgrundtief häßlichem, grau-braunen Pixelbrei", wie es zB. die PC Games bis zum Exzess betrieben hat, die Gamestar-Redakteure aber auch nicht frei von sind. Ich kann nur wiederholen: Die Test-Check-Rubrik ist so überaus entspannend und hypefrei! Auch, weil hier gerne auf Spiele verwiesen wird, die ansonsten im Mainstream-Gebruzzel der üblichen Verdächtigen untergehen.
Und es gibt seit kurzem noch einen zweiten Grund, warum ich für ein Print-Magazin immer noch Geld ausgebe. Der Zehn-Jahresrückblick! Spiele, die vor zehn Jahren in der entsprechenden Monatsausgabe getestet wurden, werden hier launig und extremst subjektiv kommentiert. Da outen sich manche Redakteure ganz offen als Star Wars-Hasser. Oder als Liebhaber kleiner, verhuzzelter Rundenstrategie-Spiele. Oder Männer, die im Gegensatz zu mir eben keine weiblichen Charaktere in Computerspielen spielen wollen. Es ist hier nicht so sehr der Retro-Faktor, der diese Rubrik so attraktiv macht. Es ist der ungefilterte Blick auf den Menschen hinter dem offiziellen Redakteur. Die ungefilterte, vollkommen subjektive Meinung. Der Blick auf das, was hinter der Stirn tatsächlich vorgeht. Frei von sämtlichen kommerziellen Restriktionen und Beschränkungen, die ansonsten den Arbeitsalltag der kommerziellen Magazine bestimmen.
"Professioneller" Journalismus in der Spielebranche ist für mich nicht das Abtippen exklusiver Vorab-Infos. "Professioneller" Journalismus ist für mich (nicht nur) in der Spielebranche in erster Linie Authentizität und Aufrichtigkeit. Es muss mir nicht alles gefallen, ich muss nicht immer einer Meinung sein. Ich muss nur den Eindruck haben, dass hier eigene Meinungen vertreten werden.
Montag, 28. Januar 2008
Linktip - GamersGlobal
Das Mitmach-Web 2.0 ist nun endgültig auch im Spielebereich angekommen. Mit all seinen Vorteilen und Nachteilen.
Gestern bin ich beim ziellosen Herumsurfen zwischen diversen Wahlkampfabendberichterstattungen auf "GamersGlobal" gestoßen. "GamersGlobal" soll eine Art Mitmach-Newsseite zu allen möglichen, videospiele-relevanten Themen sein. Verdiente Mitglieder können selbst Beiträge einfügen und editieren. "Verdienst" erringt man mit Punkten, die es anfänglich nur für's Kommentieren gibt, bis man mehr Rechte erhält und darüber noch mehr Punkte verdienen kann. Ob dies einen einigermaßen effektiven Schutz gegen den für diese Art Projekt leider unvermeidbaren Artikel-Vandalismus darstellt, wird sich erst zeigen müssen. Und ob es so attraktiv ist, News zu lesen, die es bereits milliardenfach an anderer Stelle im Netz gibt ... nu ja.
Deswegen will ich aber gar nicht auf diese Seite verweisen. Grund für diesen Linktip sind die anderen Inhalte der Seite. Die Specials. Denn hinter "Gamers Global" steht ein gewisser Jörg Langer, den der eine oder andere als Gründungsmitglied und ehem. Chefred der Gamestar kennen dürfte. Zwar erinnert mich das aktuelle Special geradezu frappierend an einen anderen Beitrag, aber hey, ... zwei Dumme, ein Gedanke! :) Nein, wirklich lesenswert sind zB. die Interviews, die Jörg Langer mit diversen Größen der Szene geführt hat. Interviews, die man mit Sicherheit auf absehbare Zeit bei mir NICHT vorfinden wird.
Viel gibt es zwar noch nicht zu sehen (die Seite ist erst seit letzten Sommer online), aber diesen Linktip verstehe ich auch eher als Hinweis auf "Things to come". Mal schauen, wie sich diese Seite noch entwickeln wird. Alles, was den Tod der käuflichen Print-Vertreter beschleunigt, ist zu begrüßen :)
Sonntag, 2. Dezember 2007
Your game magazine sucks
Gamespot-Redakteur wahrscheinlich doch auf Druck eines Publishers, bzw. auf Grund interner Bestrebungen, den Publishern generell mit wohlgefälligen Artikeln entgegenzukommen, entlassen worden.
Kein Einzelfall, Druck der Publisher auf die sog. Spielepresse ist etwas vollkommen normales.
Aber da erzähle ich hier nichts neues. So oder so hat das jeder von uns zumindest geahnt. Wer zu großen Teilen von den Marketingbudgets der Publisher lebt und ohne Werbung wirtschaftlich nicht überleben kann, der soll bitte nicht so tun, als ob er total geil unabhängig und objektiv sei. Das gibt es in diesem System nicht. Kann schon prinzipiell nicht funktionieren. Wer mir Geld gibt, damit ich über ihn oder seine Produkte schreibe, der darf nicht erwarten, dass der Geldgeber einfach stillhält und gar nichts tut, wenn ich Dinge schreibe, die nicht seinen Gefallen finden. Der Spruch "Solange Deine Füße unter meinem Tisch ..." trifft hier voll und ganz zu.
Andere, sehr viel schlauere Leute als ich, haben diesbezüglich jede Menge Kluges und Wahres gesagt. Übrigens, Gamespot wurde hier noch lobend erwähnt, aber dank eines neuen Besitzers, für den schneller, kurzfristiger Gewinn wichtiger ist als langfristige Leserbindung, ohne die künftig jede Werbeschaltung ins Leere läuft, folgt auch dieses Beispiel seinen Print-Vettern auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit. Wer bitte wird künftig Gamespot-Reviews noch ernst nehmen können? Warum sollte ich Gamespot dann überhaupt noch in meinem Browser aufrufen?
Die Chinesen haben ein nettes Sprichwort, nein, einen Fluch: "Mögest Du in interessanten Zeiten leben!". Nun, "interessant" ist für die in rasendem Tempo stattfindenden Veränderungen, die das Internet, die das am Horizont heraufziehende Informationszeitalter verursacht, gar kein Ausdruck. Die Anzahl der Branchen, für die das wirklich ein Fluch ist, weil sie immer unwichtiger werden, nimmt beständig zu.
Nun, mir persönlich kann das mittlerweile scheissegal sein. Ich teste selber. Ohne den Druck ein bestimmtes Testergebnis erzielen zu müssen. Ohne den Druck, sich hastig durch nur den ersten Level zu klicken, weil der Redaktionsschluss ein ausführliches in Augenschein nehmen verhindert. Ich brauche kein "Game Magazine" mehr. Und da ich dank Adblock auch all die bunten Blinkebanner und zappelnden Flash-Overlays nicht mehr sehe, brauche ich wohl auch langfristig keine Online-Magazine.
Obwohl, halt ... ist es nicht nur eine Frage der Zeit, bis Seiten wie das Release-(B)Log Werbung von Publishern schalten werden, weil a) der Kosument dorthin abgewandert ist, b) die Publisher folgen müssen, wenn sie den Konsumenten noch erreichen wollen und man c) P2P endlich als kostenloses Marketinginstrument mit gigantischer Reichweite verstanden hat?
Wir werden sehen, es bleibt spannend :)
Nachtrag:
Mehr Links zu schlauen Artikeln bezüglich dieses Themas finden sich bei Kotaku. Zu empfehlen ist hier vor allem das Gamasutra-Editorial. Und ja, auch ich würde es sehr, sehr gerne sehen, wenn diese lächerlichen Prozent-Wertungen, wenn überhaupt jede Art von "Wert-Ziffer" wegfallen würde. Himmel, das sind kreative Werke und keine Waschmaschinen, die man wie bei Stiftung Warentest vollkommen objektiv und neutral bewerten kann ...
Montag, 26. November 2007
Alles kommt wieder, denn ...
... im Grunde war es niemals weg!
Habe ich mich am Freitag noch ein wenig im grauen Nebel der Verzweiflung gewälzt, so scheint heute wieder die Sonne. Alles kommt wieder, alles ... :)
Ach, was wurde das Adventure fast schon elegisch totgesagt. Das arme, arme Adventure ... was'n Quatsch! Das Adventure war niemals tot, es war einfach nicht mehr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und Lieblingshätschelkind der Industrie. Was ist mit zB. Syberia ein wunderschönes Adventure zu einer Zeit erschienen, als das Adventure angeblich doch tot war? Und was wurde Diablo oder Baldur's Gate als die Wiedergeburt des Rollenspiels gefeiert, obwohl ich mich auch hier fragte, was ich denn dann die ganze Zeit über gespielt hatte. Schimmlige, halbverfaulte Zombie-RPGs? Aktuell wurde zu Supreme Commander gerne kolportiert, dass dieser Titel dem darbenden RTS-Genre neue Impulse verleihen wird. Darbend? Angesichts der Verkaufszahlen von zB. C&C3 oder Company of Heroes darbt man hier aber auf ganz, ganz hohem Niveau. Und ja, ich habe ja selber den Untergang des EgoShooters heraufbeschworen, als ich die mangelnde Genrevielfalt (es gibt fast nur WK2-Shooter, Taktik-Shooter und reine MP-Shooter) als Hinweis für einen Genreniedergang interpretiert habe. Auch ich habe meinen Teil zu diesem dummen Geschwurbel beigetragen. Vom PC, der so alle paar Jahre wieder in die Gruft geredet wird, möchte ich gar nicht erst anfangen.
Also, alles dummes Geschwafel, oder nicht? Woher kommt dann dieses Gerede?
Nun, Basis dieser zT. maßlosen Übertreibungen sind einfache Zahlenspiele und beispielose Einzelerfolge. Welchem Genre gehören die Toptitel dieses Jahres an? Welches war der Überraschungshit dieses Jahres? Dann wird fleissig gezählt und man verkündet freudig den jeweiligen Absteiger und den Aufsteiger. Nicht unbedingt, damit man etwas zur allgemeinen Wahrheitsfindung beiträgt, sondern damit man etwas zu berichten hat. Und alle nicken beifällig mit dem Kopf und flüstern sich gegenseitig zu: "Psst, hast schon gehört? Genre XYZ ist tot! Da kommt doch nix mehr!" oder "Hey, hast Du schon ABC gespielt? Geilo! Ich will mehr solche Spiele!". Das macht dann einmal die Runde, und kommt, verstärkt durch die dreimonatigen Quartalszahlen, wieder bei den Publishern an. Dann wird das Budget für neue Projekte bestimmt und JEDER muss natürlich ein Spiel im Genre des Überraschungshits im Programm haben. Deswegen sind wir auch vor einigen Jahren so derart mit SplinterCell-Klonen erschlagen worden, dass alleine der Vorschlag eines Entwicklerteams "Wir wollen so einen Sneaky-Shooter machen" bei Geldgebern und Publishern heute nur noch für panische Schreikrämpfe sorgt. Übrigens, schon gewusst? Schleich-Spiele sind tot!
Heisst das aber, dass es gar keine Spiele dieser Art mehr gibt? Nein, natürlich nicht. Das heisst nur, dass sich die mediale Aufmerksamkeit auf andere Dinge richtet. Aktuell sind das MMOPRGs und Casual Games und Nintendo. Ich bin mir sicher, in einigen Jahren sind MMORPGs tot und Nintendo wird in die Insolvenz geschrieben :)
Denn letztlich bin ich vor Erstaunen fast vom Stuhl gefallen. Denn Ubisoft (ja, Ubisoft, deren Releasepolitik sich nur marginal von EA unterscheidet) hat doch tatsächlich ein Addon für "Silent Hunter IV" angekündigt. Ein Addon für eine staubtrockene Uboot-Sim im (yipieee!) 2. Weltkrieg? Aber, aber ... sind Simulationen nicht tot? Scheinbar nicht ... der Fokus der Öffentlichkeit ist nur nicht auf sie gerichtet, die Top-Budgets werden anderweitig in den Sand gesetzt. Mehr ist da aber nicht passiert.
Und so gibt es auch immer wieder rundenbasierte Strategiespiele. Neben dem unverwüstlichen Civilization, welches offiziell nie tot war, gibt es vor allem aus osteuropäischer Produktion aktuell so nette Spiele wie Galactic Assault oder Fantasy Wars. Was manchenorts schon wieder zur Renaissance der TBS (turn based strategy) hochstililsiert wird. *seufz*
Daher ... kein Genre ist jemals "tot". Es gibt mittlerweile genügend Leute, die ihre Zeit mit Computerspielen vertrödeln. dass es für JEDEN Geschmack eine Nische gibt. Seien es Titten-Simulationen, Militär-Propaganda oder "kleine, grüne Männchen mit einem Stift durch die Gegend scheuchen"-Spiele. Selbst eines der ältesten Genres, das ShootEmUp, der Arcade-Scroller, der Urahn aller Ballerspiele blüht und gedeiht prächtig im Rahmen der Shmup-Szene.
Und das ist gut! Denn so muss niemand Trauerflor tragen oder den Umstand beklagen, dass es heute nur noch Scheisse gibt und früher alles besser war. Zwar gibt es heute nur noch Scheisse und früher war tatsächlich alles besser ... aber das ist nicht mehr so schlimm!
Denn alles kommt wieder, weil es niemals weg war!
Samstag, 27. Oktober 2007
Mir wird schlecht ...
Heute vormittag die aktuelle Ausgabe der Gamestar aus dem Briefkasten gezogen. Im Gegensatz zur Werbeverkaufsveranstaltung der PC Games wagt man es hier zumindest hin und wieder Scheiss-Spiele auch als Scheiss-Spiele zu bezeichnen.
Aber die Gamestar und ihr so einigermaßen erträgliches Niveau ist heute nicht das Thema dieses Postings.
Nein, es geht um das Titelbild der Ausgabe 12/2007, welches Call of Duty 4 prominent featured.
Ein finster, bzw. cool (je nach Alter der Betrachters) dreinblickender, hochaufgerüsteter und waffenstarrender US-Marine, im Hintergrund ein flammendes Inferno. Unter dem Namen des Spieles steht folgendes: "Schockfaktor: hoch. Gänsehautfaktor: hoch. Adrenalinfaktor: sehr hoch. Begeisterungsfaktor: unglaublich."
Ich will mich hier nicht als Moralapostel aufspielen, ich will auch niemandem vorschreiben, was er zu spielen hat oder nicht. Ich habe als kleiner Junge auch Filme wie zB. "Megaforce" toll gefunden. Man sollte in das Titelbild auch nicht mehr hineininterpretieren als vorzufinden ist ...
... aber ich bekomme mittlerweile das Kotzen, wenn ich sowas sehe!
Tag für Tag sterben dutzende Zivilisten und Soldaten im Irakkrieg und anderen Konflikten auf dieser Welt. In dem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe und in dem Moment, in dem sie gelesen werden. Und hier, in unserem sicheren und friedlichen Land wird ein Shooter, in dem US-Marines und britische Elite-Einheiten die Freuden moderner Waffentechnik irgendwelchen Terroristen nahebringen, als lustige Freizeitgestaltung deklariert, damit wir schnell in den Laden rennen und nach erfolgtem Konsum uns wieder brav in den weichen Sessel plumpsen lassen können.
Fassungslos ob der überhaupt nicht vorhandenen Distanz zu diesem Szenario war ich dann aber beim Fazit des Tests:
"Wir können gar nicht anders, als ehrlicherweise über dieses Spiel zu sagen, dass es ein Krieg ist, den wir lieben und führen, weil er ein guter - nein, ein fantastischer Zeitvertreib ist"
Ja, es ist nur ein Spiel.
Ich könnte trotzdem nicht soviel essen, wie ich kotzen müsste, wenn ich solche Zeilen lese!
Mittwoch, 22. August 2007
Dachschaden!
http://www.metacritic.com/games/platforms/pc/bioshock
Schaut Euch diese Wertungen an. Denkt Euch nochmals zwanzig andere, noch folgende Wertungen hinzu, die mit Sicherheit in ähnlicher Preisklasse liegen. Dann blättert mal durch deutsche Print-Magazine und schaut Euch die Online-Pendants an.
Bioshock mag ja ein sehr guter, hervorragend produzierter Shooter sein. Das will ich auch gar nicht bestreiten. Ich sage ja auch nicht, dass es ein schlechtes Spiel ist. Ganz im Gegenteil!
Aber dieser Hype, der mit jeder Stunde, mit jeder neuen Wertung um so derber wird, ist ja noch schlimmer als vor zwei Jahren beim Release von Half-Life 2. Dachte ich schon damals, dass die Herren und Damen Redakteure versehentlich zuviel LSD in ihrer Prise Kokain hatten, so drehen sie nun komplett ab. 100%-Wertungen sind schlichtweg unseriös. Das ist Leserverarsche! Wertungen über 95% sind dreiste Übertreibungen, die niemand mit einigermaßen gesunden Menschenverstand Ernst nehmen kann ...
Dass Print-Magazine seit Jahren mit einem immer mehr zunehmenden Leserschwund rechnen müssen, ist ja nix neues. Dass die Online-Magazine aber in einigem Schulterschluss bei dieser Hysterie mitmachen, kann wohl nur daran liegen, dass dort auch immer mehr ehem. Print-Redakteure sitzen, die ohne Hype und "KAUFT DIESES SPIEL"-Kommerz-Marketing-Geschrei scheinbar keine Reviews mehr schreiben können.
Himmel, es ist doch bloß ein hübsch anzusehender Shooter und nicht die Letzte Offenbarung!
Donnerstag, 21. Juni 2007
Eine Frage der Wahrnehmung
Hin und wieder lese ich in Kommentaren (oder werde im Bekanntenkreis darauf angesprochen), dass ich ja wohl einen ziemlichen Hass und Frust bezüglich Computerspiele schiebe.
Ich frage mich dann immer, wie dieser Eindruck entstehen kann, denn zumindest in meiner Selbstsicht (die ja nicht nur laut Heisenberg eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist und nie richtige Resultate liefern kann) sollte klar sein, dass bei aller Kritik und Häme Spiele, Computerspiele, Videospiele immer noch mein liebstes Hobby sind.
Ich nehme mir einfach nur die Freiheit Dinge anzusprechen, die meiner Meinung nach SCHEISSE sind. Seien es bestimmte Gamedesignfehler, denen man immer wieder über den Weg läuft. Seien es diverse Entwicklungen innerhalb der Branche selbst, die meiner Meinung nach langfristig mehr Schaden als kurzfristig Nutzen bringen werden. Seien es diverse Entscheidungen von Firmen, bei denen ich mich frage, wie um alles in der Welt ein geistig normaler Mensch so einen Bockmist fabrizieren kann.
Diese Dinge passieren. Tagtäglich, Monat um Monat, Jahr um Jahr. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Motivation dieses Blog zu starten und nach Möglichkeit auch so lange weiterzuführen, solange es noch Computerspiele gibt ;) , liegt in meinem zunehmenden Frust über den Umstand, dass diese Dinge in der Gamer-Presse, in der Öffentlichkeit so gut wie nicht zur Sprache kommen. Nicht nur gewisse, meiner Meinung nach, Fehlentwicklungen kotzen mich an. Es geht mir auch tierisch auf den Sack, dass gerade diese Presseorgane nichts weiter als der verlängerte Arm der Marketingabteilungen der Publisher geworden sind. Früher (tm), früher waren das Nischenmagazine, geschrieben für eine Handvoll Nerds von Nerds. ASM anyone? Heute jedoch, nachdem sich die Branche zu einem riesengroßen Umsatzfaktor entwickelt hat, ist gerade die Spielepresse ein wichtiges Werkzeug zur Hype- und Produktinteresse-Generierung geworden. Und damit meine ich nicht nur die Print-Magazine. Auch nahezu alle Online-Mags schauen zwecks finanziellen Überlebens gerne weg und/oder drücken alle Hühneraugen zu, ignorieren bestimmte Themen und lassen sie unbeachtet. Ich sage nur "Kopierschutzproblematik", eine kritische Betrachtung der reinen Online-Distribution von Spielen, die Auseinandersetzungen um "Geistiges Eigentum" und Tauschbörsen und vieles mehr. All diese Themen werden nahezu einhelllig ausgeklammert oder man bügelt mit Basta-Manier diverse Versuche des Leserschaft ab, dies zum Gesprächsthema zu machen. Gut, dass nicht wenige Leser gerade der Print-Magazine von diesen Publikationen nur einen Stiftung Warentest-Charakter erwarten und Blicke über den Tellerrand ablehnen (Macht mir bloß net meine Spiele madig!), sollte man nicht unerwähnt lassen.
Und deswegen ist man es gewohnt, dass bei Spielen immer alles nur toll ist. Selbst Hintergrundberichte zu diversen Entwicklern und Publishern sind eher "Homestory", wie sie besser Das Goldene Blatt nicht hinbekommen könnte, als saubere, journalistische Berichterstattung. Alles ist toll und das nächste Spiel ist immer noch viel tollerer! Und dann kommt da so ein Waldschrat daher und labert den ganzen Tag nur noch davon, wie übel dieses ist, wie scheisse jenes ist. Himmel, wenn diesem Hanswurst das so unerträglich ist, wieso hört er denn nicht auf und verschont die Welt mit seinem Gesabbel?
Nun, zum einen, man muss es ja nicht lesen :)
Zum anderen, frei nach Erich Mielke: „Ich liebe – Ich liebe doch alle – alle Spiele – Na ich liebe doch – Ich setzte mich doch dafür ein!" nehme ich mittlerweile eine, wie bereits schon in einem Kommentar erwähnt, Statler & Waldorf-Perspektive ein. Ich könnte den lieben langen Tag nichts weiter tun, als mich über die Dinge aufregen, die alles daran setzen, mein einstmals so schönes Hobby bis zur Unkenntlichkeit zu ruinieren. Nicht nur könnte, ich tue es ja auch, wie ihr Euch Tag für Tag selber davon überzeugen könnt.
Aber ich kann dennoch nicht von Spielen lassen. Ich mag Spiele. Ich spiele gerne. Ich beschäftige mich gerne mit Spielen, mit dem Drumherum, mit der "Spieleindustrie". Ich habe einfach nur keine Lust, um des lieben Friedens willen alles unter den Teppich zu kehren, was diese falsche Harmonie stören könnte. Denn es gibt eine Menge Dinge, die richtig übel sind. Von zu invasiven Kopierschutz-Mechanismen, DRM à la Steam, "Geistiges Eigentum"-Rechtewahnsinn bis zum grundsätzlichen Anlügen und Verscheissern des Kunden, weil (wie ich aus eigener Erfahrung weiß) man innerhalb der Branche die eigene Kunschaft größtenteils verachtet und für eine dumme, leicht zu manipulierende Schafherde hält.
Ich bin da anderer Meinung. Und deswegen nehme ich mir das Recht heraus diese Dinge anzusprechen, weil es mir ein Bedürfnis ist, sie anzusprechen. Ich habe keine Lust mehr, still und stumm dazusitzen und alles in mich hineinzufressen.
Gerade weil mir Computerspiele (gleichgültig welche Plattform) immer noch sehr am Herzen liegen.
Sonntag, 11. März 2007
In Memoriam: working-title.de
Ich habe ja bereits zu Anfang geschrieben, welche Motivation, welcher Grund mich dazu bewogen hat mit "Senior Gamer" die Blogosphäre zu verschmutzen. Diese Motivation enstand natürlich nicht einfach so aus dem Nichts, aus heiterem Himmel.
Ich, als alter zynischer Sack, war schon lange mit dem Zustand der heimischen wie auch der internationalen Spielepresse höchst unzufrieden. Typische Spielemagazine wie PC Games oder Gamestar waren zu reinen "Stiftung Warentest"-Blätter mit fragwürdiger Objektivität und typischem Medien-Hype mutiert. Nein, falsch ... das waren sie schon immer, wie ich beim Durchblättern meines umfangreichen Heftarchives feststellen musste. Nur konnte ich es mittlerweile nicht mehr ertragen. Ok, es gibt EDGE, es gibt die GEE. Aber auch hier fühlte ich mich nicht so sonderlich aufgehoben. Dort wurde zwar ausführlich und kompetent über das Spiel als solches, über Spielkultur, über die Meta-Ebene (schwurbel, laber) des Spielens geschrieben. Aber es fehlte mir etwas. Die Texte waren zu ... zu glatt, zu sauber, zu "journalistisch".
Gut, es gab einen Haufen Online-Magazine, wie Gamesmania oder Gameswelt oder Gamespy oder Gamespot (einfallsreiche Namensgebung, nicht). Doch auch hier fand ich viel, viel Kommerzkacke vor. 08/15-Reviews. Hype, Hype, Hype. In den Kommentaren und Foren tummelten sich viele, viele junge Leute, bei deren Beiträgen ich schon nur nach wenigen Worten verzweifelt die Augen gen Himmel drehte. Kaum kritische Meinungen, kaum Leute mit Durchblick, ein Haufen naiver kleiner Kinder, denen man jedes Jahr aufs neue den selben alten Scheiss für teuer Geld andrehen konnte. Kommerziell die IDEALE Zielgruppe also, ich war ja früher nicht anders ;)
Ok, weiter geschaut. Kleine, private Seiten gabe es zu Haufe. Doch entweder war die Schreibe entweder unterirdisch schlecht (ok, ich bin selbst alles andere als perfekt, aber zumindest einige Grundregeln in Punkto Rechtschreibung und Grammatik sollte man beachten). Oder langweilig, weil man einfach nur das wiederholte, was woanders bereits gesagt wurde. Oder es wurden nur kommentarlos News gepostet. Oder es wurden gar erschröckliche Reviews eingestellt, nur um von den Publishern Belegexemplare zu ergattern oder auf der Games Convention mit Presseausweis angeben zu können.
Dann bin ich eines Tages bei Krawall auf einen Link zu Working-Title gestoßen. Auf den ersten Blick auch nur so eines dieser kleinen Hobby-Projekte. Auf den zweiten Blick standen da eine Menge Artikel. Gut geschriebene Artikel. Von Leuten, die schreiben konnten. Und die auch etwas zu sagen hatten. Die Drei von der Tankstelle (Fabian Walden, Natalie Maertens und Stefan Lindner) kamen einst der Gameswelt, hatten schon enstprechende Erfahrung in der Branche und wollten mit "wt" etwas neues versuchen. Das "Neue" waren Artikel, Interviews, Reviews und Kolumnen mit einem sehr subjektiven Touch, frei von redaktionellen Zwängen, frei von der immerwährenden Gefahr mit den wirtschaftlichen Interessen der Anzeigenabteilung zu kollidieren. Klar erkennbar parteilich. Kein Versuch den Schein von Objektivität zu wahren. Aber immer ruhig und sachlich, nur sehr selten polemisch, nie ausfallend. Und immer bemüht, dem Leser zu zeigen, WARUM man dieser Meinung war. Nie den Anspruch auf alleinige Deutungshoheit erhebend.
Ganz grandios waren da zB. Fabian Waldens Reviews zu "Okami" oder "Defcon: Everybody dies". Kein nüchternes, ödes Abhaken von Feature-Checklisten. Das waren keine Reviews mehr, sondern fast schon Essays über seine Gefühle und Eindrücke beim Spielen. Er hat nicht das Spiel beschrieben, sondern das beschrieben, was beim Spielen mit ihm, in ihm passierte.
Doch leider war "wt" nur ein kurzes Leben beschieden. Gerade mal ein Jahr beglückte man die Welt. Dann war Schluss. Schreibblockade. Die zunehmende Unlust, ständig Sony wegen der am laufenden Band auftretenen Horrormeldungen und Marketing-Katastrophen in die Pfanne hauen zu müssen (!). Neue berufliche Perpektiven. Das Leben ...
Ich will es nicht länger leugnen. Die Schreibe von "wt" ist mein Vorbild. Die Art und Weise, wie man sich hier über alle möglichen Themen im Zusammenhang mit Spielen ausgelassen hatte. Kompetent, sachlich, subjektiv, rauh, ungefiltert, glaubwürdig, ehrlich. Kein flaches, lebloses Hochglanz-Gehype und kein Herumkriechen im Sumpf der Inkompetenz. Sollte ich auch nur jemals ansatzweise zumindest die erste Treppenstufe auf dem Weg zu diesem Niveau erreichen können, wäre ich schon hochzufrieden.