Donnerstag, 29. Januar 2009

Da steht er nun ...

... der (jetzt endlich zu 100% funktionierende) neue Zeitfresser und Kulminationspunkt meines Lieblingshobbys!

Für Statistikfans:

- AMD Phenom II X4 940 3 GHz
- Gigabyte MA790GP-DS4H
- Sapphire ATI HD4850 512MB
- Samsung HD753LJ SA2 750GB
- Mushkin DDR2 4GB PC-1066

Plus noch eine ältere IDE-Festplatte, ein DVD-Brenner und eine Soundblaster Audigy vom alten Rechner. Summa summarum ca. 880 Euro und somit noch klar im Rahmen dessen, was ich maximal ausgeben wollte.

Nun stellt sich aber die Frage, was für eine Applikation starte ich zuerst, um mich an der Mehrleistung der neuen Hardware zu erfreuen.

Früher, früher habe ich mindestens einen Tag lang nur mit Benchmarks herumgespielt und mich dem virtuellem Schwanzlängenvergleich hingegeben. Diesmal ist mir das juck. Ich weiß, dass die neue Hardware schneller als die alte Hardware ist. Sogar deutlich schneller. Aber es interessiert nicht mehr sonderlich, wieviel Punkte ich im 3DMark erreiche. Mich würde allenfalls der neue DX10-only-Benchmark interessieren, aber da ich weiß, dass sich die optischen Verbesserungen gegenüber DX9 im Rahmen halten, kann das warten.

Nein, jetzt ernsthaft, welche Applikation werde ich mir heute abend in die RAM-Riegel knallen, um mir gegenüber die Mehrausgabe für einen schnelleren Rechner zu rechtfertigen?

Nun, eigentlich wollte ich gleich mit "The Witcher" auf max. Details und Brutalsthochauflösung loslegen, aber da sich gerade ein anderer RPG-Fanatiker damit amüsiert *entspannter wink mit zaunpfahl :)*, muss ich noch warten, bis er das Spiel zurückgegeben hat. Also werde ich wohl "Drakensang" mit Texturenpatch einschieben, welcher meine alte Hardware doch deutlich in die Knie gezwungen hat. Und selbst mit Vanilla-Drakensang habe ich auch oft genug gemerkt, dass die alte Hardware es nur gerade so schaffte, einigermaßen erträgliche Frameraten auf den Bildschirm zu zaubern.

Und ... hier liegt mittlerweile "Timeshift" herum, welches auf der alten Hardware zwar durchaus spielbar war, bei einem First Person Shooter möchte ich aber flüssige (!) Bildwiederholraten und nicht nur ein Solala-fastdochnicht-Geruckel. Was auch einem Unreal Tournament 3 nützen wird, welches sich auch mittlerweile aus mehr oder weniger Sammlergründen in meine Sammlung verirrt hat. Dann kann ich gleich austesten, ob mir auch mit der neuen Hardware schlecht wird, wenn ich einen UT3-Engine-Titel mit maximalen Blitzblendvorgauckel-Details betreibe.

Ok, was landet heute noch auf der Festplatte ...

Ahhh, Company of Heroes! War auf mittleren Details sehr gut und problemlos spielbar, ohne grützehäßlich auszusehen, doch man merkte deutlich, dass hier noch mehr gehen könnte, wenn die Hardware mitspielt. Und CoH wurde ja auf DX10 gepatcht. Ich müsste mich aber vorher nochmals erkundigen, wo die Unterschiede gegenüber der "alten" DX9-Version liegen, damit ich das auch entsprechend würdigen kann *kicher*

Hmm, ich stelle gerade fest, dass mir momentan nicht soooooviel verfügbare Programme einfallen, welche zeigen könnten, was so alles in der Hardware steckt. Was wiederum zu der berechtigten Frage führt, warum ich mir leistungsfähigere Hardware geleistet habe, wenn es eigentlich auch sehr viel günstiger hätte gehen können?

Ja, hätte. Natürlich. Rein rational betrachtet hätte es vollkommen gereicht, eines der letzten verfügbaren AGP-Boards mit irgendeinem spottbilligen AMD-Singlecore zu besorgen. Denn angesichts meines derzeitigen Spielegeschmacks (alte Konsolen-ROMs, alte DOS-Klassiker und erhebliche Teile des GOG.com-Kataloges, Indie-Spiele und einige wenige Charttitel aus den letzten 3-4 Jahren) brauche ich rein rational betrachtet keine Mehrleistung.

Wäre da nicht das kleine Männchen im Ohr gewesen. Welches mir folgendes flüsterte:

"Scheiss auf die Vernunft! Das leistest Du Dir jetzt, weil es Dir, auch wenn Du kein Hardcore-Benchmark-Overclocking-Freak bist, einfach Spass macht gute Hardware unterm Tisch stehen zu haben und weil Du es Dir momentan leisten kannst. Und Du wirst (!) Anwendungen finden, für welche die neue Mehrleistung gerade richtig kommt. Vertrau mir ...".

So sagte der kleine Mann im Ohr und so tat ich dann auch.

Und ich ärgere mich nicht mehr über den Hardware-Ausfall meines alten, getreuen Weggefährten Athlon. Ich versuche nicht krampfhaft Gründe zu finden, mit denen ich die Mehrausgabe rechtfertigen kann. Ich freue mich jetzt einfach über den neuen Rechner, wie sich zB. ein Sammler freut, wenn er ein neues Stück für seine Sammlung findet.

Zudem fällt mir gerade ein, ich könnte zum Beispiel C&C3 mit HeavyDutyYeehaaw-Details und Panorama-Auflösung fahren und es diesmal vielleicht sogar schaffen, bis zur End-Kampagne vorzustoßen. Nicht zu reden von den aktuellen Battlestar Galactica-Folgen, bei denen ich endlich sorgenfrei und ohne permanente Mikroruckler die HD-Versionen anschauen kann. Stimmt, je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Anwendungsgebiete fallen mir ein, bei denen die neue Hardware so richtig ins Schwitzen kommen könnte.

Danke, kleiner Mann im Ohr!

Mittwoch, 28. Januar 2009

*durchdreh*

Was ist eigentlich aus den Zeiten geworden, in denen man einen neuen Rechner einfach ausgepackt hat, eingeschaltete und dann losgelegte, hmm?

Achso, stimmt ja. Diese Zeiten gab es nie und ich sollte einen PC nach Möglichkeit NICHT für eine Konsole halten.

Wenn alles so klappt, wie ich mir das vorstelle, habe ich bis nächste Woche dem Rechner endlich beigebracht, das Videosignal durch die GPU der externen Ati HD 4850 über DVI an den Bildschirm auszugeben und sich nicht ständig in Dunkelheit zu hüllen, weil der Monitor sich nicht entscheiden kann, was er jetzt gerade will.

Hölle, das kann doch nicht so schwer sein, oder?

Nun gut, ich wollte es ja nicht anders. Bitte kein falsches Mitleid, da muss ich jetzt durch! :)

Dienstag, 27. Januar 2009

Das Gleichnis vom Toten Pferd

Der eine oder andere wird sicherlich das Sprichwort über das tote Pferd kennen. Das angeblich alte Indianersprichwort, in dem es heisst, dass man doch besser absteigen solle, wenn man entdeckt, dass man ein totes Pferd reitet.

Derzeit ein totes Pferd entdeckt hat man überraschenderweise bei Microsoft, wo man, neben den üblichen erkennungsdienstlichen Fehlleistungen (weder Ensemble Studios, noch die Entwickler des Flight Simulators haben tote Pferde produziert) doch tatsächlich "Games for Windows" für einen mitten im blühenden Tod stehenden Vertreter dieser Gattung hält. Denn das prominenteste Opfer des aktuellen Arbeitsplatzabbaus bei MS ist der nun ehemalige Chef dieser Abteilung. Fairerweise muss man dazu sagen, dass für Aussenstehende nicht ersichtlich ist, ob die anhaltende Bedeutungslosigkeit dieses Programmes ihren Grund in der mangelnden Fachkompetenz dieser Person hatte oder ob er nur ein Bauernopfer für die immer offensichtlicher werdende Strategie von MS ist, im Unterhaltungsektor alle verfügbaren Ressourcen auf die Konsolensparte zu setzen und alles andere zu streichen, was nicht unmittelbar mit der 360 zu tun hat, selbst wenn es für sich selbst erfolgreich operiert.

Bevor ich jedoch MS über allen Klee für diese sensationelle Entscheidung lobe, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass MS zwar erkannt hat, dass das Pferd tot ist, man aber getreu der neuzeitlichen Interpretation dieses Spruches, nur den Jockey auswechselt, anstatt den längst verstorbenen Vertreter der Gattung Equidae endlich zu entsorgen.

Games for Windows war niemals erfolgreich und schon vom Start weg reif für den Abdecker, dass es selbst der erfahrenen und kompetenten Marketingabteilung von Microsoft nicht gelang den penetranten Geruch verwesenden Fleisches zu überdecken. Denn die Grundidee, das Vertriebskonzept von XBOX Live, welches auf dieser geschlossenen, alleinig von MS kontrollierten Plattform logischerweise hervorragend läuft, mehr oder minder unverändert auf die offene PC-Plattform zu übertragen und zu denken, man könne der dort bereits etablierten Konkurrenz nennenswerte Anteile abgraben, ist, mit Verlaub, nur noch als Schwachsinn zu bezeichnen.

Folgerichtig hat sich in den letzten zwei Jahren auch keine Sau für diesen Dienst interessiert. Weder Entwickler, noch Publisher, noch die Kunden. Das demnächst in den Läden stehende "Dawn of War 2" ist meines Wissens der erste potentielle Hit-Kandidat, der für Multiplayer-Features primär auf GfW Live setzt. Und meines Wissens auch in Zukunft der einzige Kandidat bleiben wird, denn immer mehr Publisher entdecken Steam als DIE Standardplattform für den Vertrieb und Betrieb von PC-Spielen. Alles, was GfW sein möchte, ist Steam bereits jetzt schon. Und um Klassen und Lichtjahre besser als alles, was ein megalomanischer Konzern wie MS auf Grund seiner verschachtelten Entscheidungsstrukturen jemals in vertretbarer Zeit produzieren wird. Von daher ist MS nur zu raten, den aktuell eingeschlagenen Pfad konsequent weiter zu beschreiten, den PC als Spieleplattform nur noch als Teil des Gesamtfeaturepaketes "Windows" zu betrachten und sich auf den Konsolenmarkt zu konzentrieren.

Achja, und im selben Zuge könnte man übrigens auch die PCGA, die unsägliche PC Gaming Alliance entsorgen, die ausser wohlfeilen Sprüchen und einer billigen, peinlichen Webseite, wo man essentielle Informationen nur in Form eines herunterladbaren Powerpoint-Dokumentes erhält, welches, mit Verlaub, jeder 12-jährige Schüler besser hinbekommen würde, in dem fast einjährigen Bestehen nichts wirklich Essentielles geleistet hat. Angesichts des Umstandes, wer alles Mitglied in dieser Organisation ist, kann man angesichts dieser Nicht-Leistung nur noch hysterisch lachend den Kopf in den Händen vergraben. Dieses Pferd ist so tot, dass es nicht einmal mit Fleisch auf den Knochen geboren wurde ...

Nein, dieser verordnende TopDown-Ansatz kann auf einer offenen Plattform, die der PC leider Gottes nunmal ist, nicht funktionieren. Wie es funktioniert, kann man zum Beispiel bei Gamasutra nachlesen. In "The New Old Wave of PC Games" werden nochmals alle Erkenntnisse und Erfahrungen der letzten Jahre zusammengefasst und aufgezeigt, wie man sich aufstellen muss, will man auf dem PC weiterhin gutes Geld mit Spielen verdienen.

Insofern, der PC als Spieleplattform ist kein totes Pferd. Es wird von vielen Beteiligten nur falsch beritten. Zum Teil extrem falsch. Nein, das PC-Pferd ist kein geländegängiger 4-Wheeldrive-Humvee mit Klimaanlage und Minibar, mit dem sich dekandente Stadtbewohner der Illusion hingeben können, sich jetzt so richtig dolle wild in der freien Natur zu bewegen. Das ist ein richtiges Pferd, welches pfleglich behandelt und gekonnt beritten werden möchte. Um bei diesem Bild zu bleiben, so wünsche ich mir für die Zukunft dieser Branche mehr einfühlsame und verständige Pferdeflüsterer und weniger kurzatmige, rotgesichtige Fettsäcke, die in einem Pferd nur eine unangenehm riechende, ausschlachtbare Ansammlung von Fell, Fett, Fleich und Knochen sehen.

Sonntag, 25. Januar 2009

Analoges Leben

Bücher lesen.

Noch mehr Bücher lesen.

Geruhsam kochen.

Geruhsam und verdammt lecker kochen.

Schonmal vorab mit dem Frühjahrsputz beginnen.

Diverse, immer wieder aufgeschobene Reparaturen in der Wohnung vornehmen.

Wohnung umräumen und nach kritischen Blicken doch wieder in den Originalzustand versetzen.

Und so weiter, und so fort ...

Wer, zur Hölle, braucht denn dieses Computerzeugs, hmm?

Dennoch kann ich nicht leugnen, mittlerweile doch eine gewisse Vorfreude auf Ende nächster Woche zu verspüren. Gewichen ist das etwas angefressene Grummeln darüber, dass ich mir einen neuen Rechner kaufen musste, weil die alte, an sich sonst tadellose Hardware immer öfter Alzheimer'sche Anfälle bekommt. Shit happens! Und angesichts des Umstandes, dass der alte Rechner (ich habe extra in alten Rechnungen gewühlt) von allen Rechnern, die ich hatte, fast am längsten durchgehalten hat (nur auf Grund Hardwareschaden aus dem Rennen schied und nicht, weil er mir zu langsam war, so wie das früher normal war), kann ich mich über die vergangenen fünf Jahre eigentlich nicht beschweren.

Doch bevor ich in metaphysische Spekulationen darüber abdrifte, ob sich die Hardware-Rüstungspirale in den letzten Jahren langsamer dreht oder sich nur meine eigenen Ansprüche verändert haben, gehe ich jetzt lieber raus vor die Tür.

Die Sonne scheint, die Luft riecht komischerweise nach Frühling und der Spaziergang wird die beteiligten Füße danach an einer feinen Konditorei vorbeiführen, wo sich die dann leeren Mägen an feinen Backwaren erfreuen werden.


Nomnom, läcka!

Wirklich, wer, zur Hölle, braucht denn dieses Computerzeugs, hmm?

;-P

Donnerstag, 22. Januar 2009

Ach Du meine Güte ...

Nach der Flash-Demo, die nach kurzer Eingewöhnung eigentlich recht gut spielbar war und Appetit auf mehr machte, ist nun auf den üblichen Download-Servern und Webseiten die offizielle PC-Demo eingetroffen ...

Es ist klar, dass es in der Demo einen Levelcap gibt. Es ist auch klar, dass man nur eine begrenzte Anzahl von Systemen anfliegen kann. Ist ja ne Demo. Dass man aber seinen Helden nicht abspeichern kann, ist aber der übliche Ausdruck von Industrie-Paranoia, die um jeden Preis vermeiden möchte, dass sich die Kundschaft auch nur einen Jota zuviel mit der Demo beschäftigt. Also bitte, wo kommen wir denn dahin, wenn man den Kunden was schenkt? Die sollen nicht die Demo zocken, die sollen gefälligst das Spiel kaufen, dammich! Schon schlimm genug, dass man eine Demo anfertigen muss ...

*grummel, brummel, zeter*

Ok, doch genug davon. Widmen wir uns lieber dem Spiel.

Ein Spiel, welches man der Einfachheit halber als PuzzleQuest im Weltraum bezeichnet. Weil es, im positiven, wie im negativen Sinne, genau das ist. PuzzleQuest im ScienceFiction-Gewand. Siehe auch die Screenshots. Kommt einem doch sehr vertraut vor, nicht wahr?





Wer PQ kennt, findet sich in wenigen Sekunden zu Recht und bekommt trotzdem in Windeseile was auf die Fresse. Ich habe zB. den allerersten (!) Kampf erst beim vierten Mal gewonnen. Und dann schon nach zwei Zügen, weil mir der Zufall, welcher dem Computergegner dreimal zuvor die übliche, bestmöglichste Steinkombination geschenkt hat, beim vierten Mal endlich mir gnädig war. Und zwar so derart fett, dass ich selber kaum etwas tun musste.



Ja, PQ konnte schon ziemlich unfair und gemein sein. Vor allem, weil es einem durch den ganzen RPG-Überbau suggerierte, man könne mit Strategie vorgehen, während es in erster Linie immer noch ein Arcade-Glückspiel war. Galactrix setzt dem Ganzen aber nochmals die Krone auf.

Meine Fresse ... ich mein ... das könnte schon Spass machen, so ist es nicht. Aber wäre es nicht möglich, den Zufallsfaktor einen Tick runterzuschrauben? Oder dem Spiel wenigstens ein vernünftiges Balancing geben? Denn jetzt habe ich den Levelcap (Stufe 5) erreicht und bin dabei fast eingeschlafen, weil bis auf ein weiteres Mal Partystimmung für den Gegner, ich alle Kämpfe im Halbschlaf gewonnen habe. Und zwar nicht, weil es so leicht war, sondern weil mir der Zufall glücklich in die Hände gespielt hat. Kann gut sein, dass ich beim nächsten Versuch wieder gehörig die Hucke voll bekomme ...

Alles in allem, PuzzleQuest habe ich diesen Fehler verziehen, weil man vor allem im späteren Spielverlauf durch geeignete Ausrüstung den Zufallsfaktor dämpfen konnte und weil PuzzleQuest auf seine ganz besondere Art und Weise etwas Einzigartiges war.

Aber ich frage mich gerade ernsthaft, ob ich mir diese Verarschung ein zweites Mal gefallen lasse ...

Things to come?

Ein Vorteil, wenn man nicht mehr soviel am Rechner zockt, ist der Umstand, dass man sehr viel mehr Zeit hat, entspannt durch das Netz zu surfen und somit haufenweise interessante Dinge zu finden.

So zum Beispiel dieses Video einer Tech-Demo zum ReacTable, in der die Möglichkeiten dieses Touchscreen-Tisches für eine Art Tabletop-Rollenspiel à la Hero Quest gezeigt werden.



Ja, das ist natürlich derzeit nichts weiter als eine technische Spielerei, eine akademische Fingerübung. Was mich daran aber so fasziniert, sind die Möglichkeiten digitale Informationsverarbeitung und Bilddarstellung mit dem guten, alten TableTop-Gameplay zu verbinden. Anstatt das Spielbrett aus dem Schrank zu holen, oder wie im Falle eines Warhammers, zuerst stundenlang Armeen und Schlachtfelder aufzubauen, räumt man kurzerhand die leeren Chipstüten des Vortages vom Wohnzimmertisch, holt ein paar Figuren aus der Tischschublade, schaltet den Tisch ein und legt los.

Vom im Video gezeigten Rollenspiel-Thema, über Strategiespiele aller Couleur bis hin zum klassischen Mensch-Ärgere-Dich-Nicht.

Wäre ich Verantwortlicher bei einem großen Spielekonzern, ich würde eine Handvoll Leute nehmen, diese in einen Thinktank stecken und experimentieren lassen. Oder gleich direkte Kontakte mit entsprechenden universitären, akademischen Gruppen und Instituten aufnehmen und sie ein Stück weit finanzieren Das kostet nicht viel und es gibt mir genügend Spielraum, um im Falle eines Marktversagens oder Abflauens bestimmter Kundenvorlieben schnell genug attraktive Alternativen anbieten zu können, neue Zielgruppen zu erschliessen oder den alten Zielgruppen neues Zeugs verkaufen zu können.

Gut, vielleicht holt mich hier auch nur meine eigene Vergangenheit als Brettspiel-Fanatiker ein und das hier gezeigte Konzept ist in Wirklichkeit ein kompletter Griff ins Klo, ohne jede Chance darauf, von einer genügend großen Anzahl Kunden angenommen zu werden. Kann auch sein.

Ich find's trotzdem spannend :)

Mittwoch, 21. Januar 2009

Die Krise von Heute ist die Chance von Morgen

Neinnein, keine Sorge. Das hier wird keine wirtschafts- oder finanztheoretische Abhandlung über die derzeitigen Turbulenzen in der Weltwirtschaft, es wird auch kein sozialpolitisches oder gesellschaftliches Traktat. Zumindest größtenteils nicht.

Anlass für den heutigen Sermon ist folgende Meldung, die ich die Ehre hatte eben auf 4Players lesen zu dürfen.

Zusammenfassend: ein Entwickler hat ein überzeugendes Konzept, hat schon entsprechend positive Rückmeldungen bekommen (ist sich also sicher, nicht nur den eigenen Wahnvorstellungen aufzusitzen), scheitert aber letzendlich daran, dass die Marketingabteilungen der jeweiligen Publisher keine Marktchancen für das Genre auf der vom Entwickler gewählten Plattform sehen. Im konkreten Falle heißt das, dass man trotz der immens großen Verbreitung der Wii selbige Konsole nur als Spieleplattform für Kinder sieht und zahlende Kundschaft folglich nur in Form der Eltern dieser Kinder vorhanden ist. Ausgehend von dieser Prämisse ist es seitens der Publisher logisch, dass man kein Survival Horror-Spiel auf der Wii veröffentlicht. Dezente Hinweise auf den nicht unerheblichen kommerziellen Erfolg der beiden letzten ResidentEvil-Titel werden mit entsprechenden Gegenhinweisen gekontert, dass RE eine etablierte Marke sei und sich nur deswegen so gut verkauft.

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich kann die Publisher teilweise verstehen. Ich heiße ein derartiges Verhalten nicht gut, aber ich kann es teilweise verstehen. Wer heute Spiele im Retail-Bereich vertreibt, der muss angesichts der gestiegenen Produktionskosten einen nicht gerade kleinen Mindestumsatz erzielen, um wenigstens auf eine schwarze Null zu kommen. Angesichts des Umstandes, dass 8 von 10 veröffentlichen Spielen in den Bilanzen als tiefrote Zahl auftauchen, ist die Paranoia, die Publisher vor Nischenspielen oder gar innovativen Spielen haben, nachvollziehbar. Wer dies als Entwickler nicht berücksichtigt, ist fast schon selber Schuld, wenn er mit ungewöhnlichen oder einfach nur nicht-massentauglichen Konzepten bei den Publishern hausieren geht und sich eine Absage nach der anderen einholt.

Man könnte natürlich, und mit gutem Recht, einwenden, dass man eine Konsole, die bezüglich ihrer weltweiten Gesamtverkäufe den bisherigen Spitzenreiter, die PS2 mit 22 Mio., mit 24 Mio. Stück nach gerademal zwei Jahren auf der linken Arschbacke überholt hat, nicht nur auf Kinder-Software beschränken sollte, ja, diese Strategie sogar leichtsinnig und gefährlich sei, da sie weitere Umsatzzuwächse mit der Hilfe "erwachsener" Wii-Nutzer dauerhaft verbaut, aber momentan herrscht in der Industrie dieses Denken nunmal vor. Kann man als kleiner Entwickler nix machen, oder?

Doch, kann man.

Derzeit tobt in Cannes die alljährliche Midem, die weltweit führende Musikmesse. Auf dieser Messe tummeln sich, sehr zum Ärger der Major Labels, eine Reihe von Anbietern und Künstlern, die dort eine Idee propagieren, mit der eine Band, ein Künstler keinen Plattenvertrag und folglich auch kein Label mehr benötigt. Fans finanzieren die Produktion eines Albums, Fans werden direkt involviert und Künstler und unterstützende Fans können sich sogar die Einnahmen teilen. Da die Gewinnspanne einer solchen Produktionsweise weit, WEIT über dem liegen würde, was eine Band normalerweise bekommt, wenn sie einen herkömmmlichen Plattvertrag abschliesst, muss die Band auch nicht 100.000 Alben verkaufen, um von ihrer Musik leben zu können, sondern sie benötigt vielleicht nur 50.000 oder nur 10.000 verkaufte Alben. Was schlichtweg bedeutet, dass man bei der Produktion keine Kompromiße eingehen muss, man sich nicht nach einem wie auch immer gearteten Massengeschmack richten muss, sondern die eigene, künstlerische Vision umsetzen kann. Im Idealfall kann es einem wie Aimee Mann passieren, die zwar nur einen Bruchteil der Plattenverkäufe einer Madonna hat, die aber auf Grund ihrer Unabhängigkeit von einer Plattenfirma (sie hat schlichtweg ihre eigene gegründet) mit jedem verkauften Album so sehr viel mehr Gewinn erzielt, dass man sie heute zu den wohlhabensten Entertainerinnen der USA zählt.

Ich stelle mir angesichts solcher Entwicklungen nur vor, welche Chancen ein Entwickler haben könnte, der, angefressen von der Dummheit und/oder Gier der Publisher, direkt auf die Fans zugeht, mit Spenden die Fertigstellung des Spieles finanziert und das Spiel danach SELBST verkauft.

Man könnte jetzt einwenden, dass die Produktion eines Albums ein wenig günstiger sei als die Produktion eines hochwertigen AAA-Titels wie zB. Mirrors Edge. Richtig, dem ist auch so. Man darf daher nicht erwarten, dass Fans die Produktion eines Graphik-Feuerwerks wie zB. Crysis oder Final Fantasy 13 stemmen könnten. Von Crysis wird zB. berichtet, dass man etwas mehr als 20 Mio. Dollar für den unperformantesten Spaghetti-Code seit Erfindung des Spaghetti-Codes verbraten hat.

Aber man könnte auf diese Weise kleinere Spiele auf die Beine stellen. Sich allmählich nach vorne tasten. Mit jedem Spiel mehr Fans finden. Mit jedem neuen Spiel die Latte allmählich höher heben. Bis ein Major Publisher oder ein anderer Geldgeber aufmerksam wird. Oder auch nicht. Die beiden Jungs von "Dwarf Fortress" sind zb. vollauf damit zufrieden dieses Spiel hauptberuflich zu optimieren und weiterzuentwickeln, weil es genügend Leute gibt, die ihnen über den Paypal-Button auf ihrer Webseite Geld zukommen lassen. Denn sie müssen ja nicht umsatzmäßig mit einem Call of Duty, Guitar Hero oder Sims konkurrieren. Sie haben ihre Nische gefunden und fühlen sich dort pudelwohl.

Ich bin mir sicher, sehr sicher sogar, dass wir derart finanzierte Spiele in Zukunft öfters sehen werden. Die Chancen für kleine Entwickler, abseits des von den Majors beherrschten Mainstreams sind immens. Frei, und daher NICHT im Sinne, eines Herr Schüttelbiers: "An undiscovered country!"

Wolltet ihr nicht eines Tages "Follower" eines bestimmten Studios sein? Euer Bild in einem Spiel wiederfinden? Ein Modell nach Eurem Aussehen? Eure Stimme in Dialogen? Eure Nennung in den Credits? Vielleicht sogar ein Leveldesign oder eine Mission oder ein eigenes Modell oder Textur von Euch? Sagen zu können, dass dies auch "Euer" Spiel ist?

Warum nicht ...

Immerhin besser als mitanzuzusehen, wie die Majors als Gefangene ihrer eigenen Vertriebsstrukturen, eine uninspirierte Scheisse nach der anderen abliefern müssen, während frische und neue und spassige Ideen in der Schublade verschwinden, weil ihnen niemand eine Chance gibt.